Fools Garden


Jeder musikbegeisterte Teenager hat eine Lieblingsband. Sie begleitet durch die Höhen und Tiefen einer sehr intensiven Zeit, die jeder von uns einmal durchgemacht hat und unterstreicht musikalisch die wichtigen Momente, die einem ein Leben lang in Erinnerung bleiben. Die einen trennen sich früher oder später von ihren Bands, die anderen bleiben ihnen ein Leben lang treu. Und manche finden nach langer Zeit wieder zurück zu der Band, die einst so wichtig war für sie.

Als mich mit zarten 13 Jahren die Brit-Pop Welle packte und mitriss und neben den Prinzen von nun an auch Oasis, Blur, die Beatles und Kula Shaker im CD Regal standen, gab es eine deutsche Band, die für mich alles war. Das Lied, mit dem diese Band 1996 den Durchbruch erlangte und weltweit große Erfolge feierte, schaffte es in weniger als 10 Jahren, ein Evergreen zu werden. Die Rede ist von Lemon Tree.

Von den einen geliebt von den anderen gehasst arbeitete sich dieser Song bis an die Spitze der deutschen Singlecharts und verweilte ganze 36 Wochen dort. Ich bewegte mich mit meinem Fan-Dasein immer ein wenig wie im Grenzgebiet… entweder gab es stolzes Schulterklopfen oder abfällige Bemerkungen wie „Du findest Fool‘s Garden ja nur gut, weil die so erfolgreich sind“. Mir war damals schon egal, was andere sagten. Fool‘s Garden waren für mich die Größten, und das nicht wegen Lemon Tree sondern einer ganzen Reihe an ehrlicher, melodiereicher, gut produzierter und vor allem selbstgemachter Songs, die zu Zeiten des Boygroup- und Eurodance-Wahns Mitte der 90er Jahre Mangelware in Deutschland waren.
Die Zeit verstrich und während die Menschen um mich herum Fool‘s Garden gedanklich schon in die Schublade des Vergangenen sortierten, fieberte ich dem neuen Album Go And Ask Peggy For The Principal Thing entgegen. In der Zwischenzeit bot sich mir die Gelegenheit, die Band live zu sehen und die Mitglieder zu treffen und das machte die Vorfreude darauf nicht minder gering. Das Album erschien im Sommer 1997 und erstaunlicherweise wurde die erste Singleauskopplung Why Did She Go? kein Hit. Die Medienpräsenz war gefühlt gleich Null und wenn man dann mal etwas las, waren es meist negative Beiträge. Mir schien, als hätten alle auf ein Wunder gewartet, das nicht eintraf. Das Album war brilliant – keine Frage!

Es lag wohl an einer etwas zu einfältigen Veröffentlichungspolitik, mit der die Plattenfirma alle Chancen verspielte, Fool‘s Garden aus dem Status des „One-Hit-Wonders“ zu retten. Die Promotion lief in die falsche Richtung. Das Medium Radio, auf das das Majorlabel setzte (und welches Fool‘s Garden zu diesem unsagbaren Erfolg mit Lemon Tree verhalf) verlor – wohl nicht nur für mich – in dieser Zeit seine Glaubwürdigkeit. Radiosender waren doch kaum noch voneinander zu unterscheiden. Alle spielten gefälligen Gute-Laune-Pop. Wenn mir ständig Radio-Jingles sagen, dass ich „Das Beste aus Pop und Rock“ höre, interessiert es mich kaum noch, welche Band gerade gespielt wird. Ich freute mich zwar immer, wenn ich einen neuen Fool‘s Garden Song im Radio hörte, doch so wie bei mir andere Songs von anderen Bands einfach so vorbeirauschten, werden die meisten Hörer wohl auch Songs wie Why did she go? oder Probably kaum mit Fool‘s Garden in Verbindung gebracht haben.

Für mich als Fan begann nach der Zeit der ewigen Rechtfertigung die Ära, in der mich alle fragten: „Fool‘s Garden? Gibt‘s die noch?“ Fool‘s Garden ließen sich aber nicht beirren und arbeiteten (zur Freude aller Fans… und da gab es wirklich eine Menge) weiter an neuen Ideen. Nach ausgedehnten Touren durch die ganze Welt, wo sich das neue Album scheinbar ebenso großer Beliebtheit erfreute wie das Hit-Album Dish Of The Day, erschien auf einem neuen Plattenlabel (Seven Days Music/BMG) im Jahr 2000 das nächste Album For Sale. Der große Erfolg in Deutschland blieb aber ebenfalls aus. Was lief nur schief?

Anstatt mir weiterhin den Kopf zu zerbrechen, begann im Jahr 2000 eine Zeit, in der sich für mich ein komplett neuer Musikmarkt erschloss: Auf einmal tauchten unbekannte Bands mit englischen und teilweise auch deutschen Texten auf, deren Musik sehr viel lauter und intensiver war als die von Fool‘s Garden… Independent nannte man das. Meine Propheten dieser Gattung hießen Readymade, Sportfreunde Stiller, Miles und später auch Slut und Virginia Jetzt. Durch eine Band entdeckte man die nächste und durch die große musikalische Auswahl entwickelte sich der eigene Soundtrack in eine völlig neue Richtung. Ich stellte fest: Man braucht kein Radio und kein WOM-Journal, um Musik kennenzulernen.
Eins mit dieser Musik, die sich langsam auch zu einer Art Einstellung entwickelte, vergingen die Jahre. Fool‘s Garden gerieten zwar nicht in Vergessenheit, aber dennoch muss ich gestehen, dass es mir langsam egal wurde, was sie taten. Als mich 2004 die Nachricht erreichte, dass aufgrund bandinterner Differenzen Schlagzeuger, Keyboarder und Bassist die Band verließen und die Songschreiber Peter Freudenthaler (Gesang) und Volker Hinkel (Gitarre) unter dem Pseudonym Fools Garden (fortan ohne Apostroph) weitermachen wollten, stimmte mich das allerdings ein wenig traurig.

Aber dann: Zwei Jahre später, als ich meinen CD Schrank neu sortierte (und selbst in die alten Prinzen CDs hineinhörte), blieb ich auch bei Fool‘s Garden hängen – und auf einmal hatten sie mich wieder. Die verblassten Erinnerungen waren wieder da und ich hörte eine ganze Weile nichts anderes auf meinem iPod. Kurz darauf las ich im Internet, dass Fools Garden hier in der Nähe auftreten würden und beschloss – ohne groß zu überlegen – hinzugehen.

Und es war wirklich großartig! Zwar kannte ich nur wenige der neueren Songs, fühlte mich aber dennoch sofort wieder zu Hause. geborgen. angekommen nach einer langen Reise. Manchmal braucht man diesen gewissen Abstand, um zu merken, wie wichtig so ein zu Hause überhaupt ist. Fool‘s Garden veröffentlichten bisher insgesamt 6 Alben: Once In A Blue Moon (1993), Dish Of The Day (1996), Go And Ask Peggy For The Principal Thing (1997), For Sale (2000), 25 Miles To Kissimmee (2003), Ready For The Real Life (2005). Desweiteren veröffentlichte Gitarrist Volker Hinkel unter dem Namen „Hinkel“ die beiden Soloalben „In The Wake Of Thunder“ (1996) und „Not A Life-Saving Device“ (2005).

Die Band arbeitet derzeit an neuen Songs, einen Veröffentlichungstermin für ein neues Album gibt es allerdings noch nicht.
(Martina Drignat)

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