DAILY SHOW / COLBERT REPORT



Mit dem Einzug des amerikanischen Fernsehsenders Comedy Central (CC) in deutsche Wohnzimmer, gab es nicht nur Wiedersehen mit Badesalz, Dave Chappelle oder der zu unrecht stark unterschätzten Sitcom News Radio. Dem deutschen TV-Konsumenten wurden auch gänzlich neue Formate vorgestellt.

Die Daily Show with Jon Stewart verkörpert hierbei meiner Meinung nach den unangefochtenen Klassenprimus dieser neuen Formate. Bis jetzt vermag es der deutsche TV-Besitzer mit CC-Empfang das „Fake News“ Programm um Anchor Jon Stewart zwar nur per Internetstream auf der deutschen CC-Webseite zu sehen, es ist jedoch inständig zu hoffen, dass sich dies in naher Zukunft ändert und die Sendung auch im normalen TV-Programm des Senders auftaucht. Diese „Daily Show“ (und dessen Ableger der Colbert Report) mischt nämlich bereits seit einigen Jahren mit Humor, Witz und Ironie die verkrusteten, verfilzten und sensationsgierigen US-Nachrichtenformate gewaltig auf und ist trotz ihres Mottos eine „Fake News“-Show zu sein, durchaus eine der gehaltvolleren Nachrichtensendungen im US-Fernsehen.

Jon Stewart und Stephen Colbert legen ihre Finger in Wunden, die Sender wie „Fox-News“ oder „CNN“ scheinbar uninteressiert übergehen. Das speziell auf den jüngsten Irakkrieg bezogene Scheitern der amerikanischen „Mainstream“-Medien ihrer Verpflichtung als „vierte Gewalt“ nachzukommen, war und ist die Chance von Stewart, Colbert und ähnlichen Medienschaffenden wie z.B. Bill Maher (seine Show „Real Time with Bill Maher“ läuft auf dem US-Privatsender HBO) oder Al Franken auf Missstände in Politik, Medien und Gesellschaft (und nicht nur dort) hinzuweisen. Die Absurdität und Gehässigkeit von Nachrichtenleuten wie Sean Hannity, Bill O’Riley, Ann Coulter oder Rush Limbaugh zu entlarven und eine Gegenöffentlichkeit zu kreieren ist ein großer Verdienst der ohne Sarkasmus und Pointen im Land des unendlichen TV-Programms wohl nicht zu erreichen gewesen wäre. In der No-Spin-Zone eines Bill O’Riley wird Gästen, die nicht dessen (konservativer) Meinung sind, gerne mal das Mikrofon mitten im Satz abgestellt. Hannity, Limbaugh, Coulter und andere vielgesehene, vielgehörte und einflussreiche konservative Meinungsmacher stehen ihm da in nichts nach. Und das im Land der „freien Rede“ schlechthin. Jon Stewart setzt Ausschnitte aus Sendungen der oben genannten oft ein um darauf hinzuweisen wie man dort „Nachrichten“ produziert und „Diskussionen“ führt. Zudem deckt er auf wie leicht Demagogie durchschaut werden kann, wenn man möchte. Nicht von den Halbwahrheiten und den Vorurteilen diverser „Nachrichtenmacher“ verführt zu werden, sondern die Absurdität deren Schaffens vorzuführen und die Scheinheiligkeit vieler Reporter und Politiker aufzudecken, ist allabendlich einer der Ansprüche der beiden „Pundits“ und ihrer Formate.

Unterstützt von diversen sogenannten „Correspondents“ (mit den aberwitzigsten Ressortbezeichnungen) führt Stewart durch die halbstündige und vier Mal wöchentlich stattfindende Sendung. Wie in einer „richtigen“ Nachrichtensendung wechseln sich Außenbeiträge, Features, Berichte und die Neuigkeiten vom Tage ab und kulminieren in einem abschließenden Interview. Durch den Kultstatus den Stewart in den USA mittlerweile hat, geben sich bei diesen Interviews das „Who ist Who“ aus Politik, Kultur und Gesellschaft die Klinke in die Hand. Neben Stars und Sternchen nehmen auch mal ehemalige US-Präsidenten (z.B. Bill Clinton), UN-Botschafter (z.B. John Bolton) oder Staatspräsidenten (z.B. Musharraf/Pakistan) neben Stewart Platz.

Als „Correspondent“ hat auch Stephen Colbert bei der Daily Show angefangen. Seit Oktober 2005 hat er nun seine eigene Sendung, den Colbert Report. In diesem gibt Colbert (der sich im frankophoben Amerika bewusst „Colber“ ausspricht) eine überdrehte und bis zum Maximum überzeichnete Version des konservativen Meinungsmachers Bill O’Riley (er nennt O’Riley „bewundernd“ „Papa Bear“). Colbert parodiert den Stimmungsmacher auf eine der intelligentesten Art und Weisen. Colbert ist gegen Einwanderung, gegen Evolutionstheorie, gegen Bücher, gegen die Theorie des Klimawandels, gegen Sex vor der Ehe, gegen Bären. Nenne eine rechte Position im US-Diskurs und Colbert ist rechts von ihr. Natürlich nur zum Schein und um den Kern konservativer und rechter Stimmungsmache in den USA im Lauf seiner Argumentation bloßzustellen. Es dauert nicht lange (spätestens beim allabendlichen Segment „The Word“ wird dies deutlich) und der Zuschauer merkt das jede angebliche Position und Meinung von Stephen Colbert genau das Gegenteil ist, eine Kritik und ein Aufruf den gesunden Menschenverstand einzuschalten. In den Staaten hat Colbert mittlerweile einen fast ebenso großen Kultstatus wie sein Pendant Jon Stewart. Die Eiscremefirma „Ben & Jerry’s“ hat kürzlich eine neue Sorte nach ihm benannt und sein Aufruf den Wikipedia-Elefanten-Eintrag zu ändern ist legendär (googelt das ruhig mal, ist eine lustige Geschichte).

Es gäbe noch viel zu erzählen, ich habe etliches Erwähnenswertes vergessen. Aber irgendwann muss auch mal Schluss sein. Wenn ihr euch also ein wenig für Politik und die amerikanische Gesellschaft interessiert oder einfach gerne herzhaft lacht, schaut mal rein! And here it is, your moment of Zen…
(Sascha Knapek)

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