Boy Meets Girl



Leos Carax war gerade mal 23 Jahre alt, als er diesen Film drehte. Und erzähle mir nichts von den Ausgestoßenen, hier trifft man sie, und sie sind schwarz-weiß, traurig und wunderschön. Eine poetische Bilderreise im Free Jazz – Gewand. David Bowie singt When I live my dream und Paris tritt auf zwischen downtown trash und uptown horror.

Carax´ Alter Ego Alex (Denis Lavant) läuft durch die Straßen von Paris, fort von der alten Liebe, fort von sich selbst. Er ist ein Drifter, gefangen in einer Stadt, die nur sich selbst am nächsten ist. Seine Biografie versteckt er hinter einem Gemälde, Bücher und LPs stiehlt er, und seinem Vater gibt er am Telefon das Versprechen auf den Gnadenschuss. Auf einer Party trifft er auf eine Schar seltsamer Gäste: die alternde Schauspielerin, den Maler mit der Kugel im Kopf und den Mann, der am Telefon die Zeit ansagt, und auf Mireille (Mireille Perrier) …

Jean-Yves Escoffier`s Kamera ist stets an der richtigen Stelle und begleitet die Protagonisten mit zärtlichem Abstand, mal poetisch und burlesk, mal ehrlich und versponnen. Leos Carax Debüt lässt den Expressionismus neu erwachen und schickt Grüsse Richtung French New Wave. Dieser Film ist zu stark für Worte.
Der Weg ist die Liebe ist das Ziel bei Carax. Und das Ziel bleibt unerreicht. Hoffnungslosigkeit als Kunstkonzept. Am Ende steht die Utopie vom Glück.

„Wissen Sie, was mir Kummer bereitet, dass ein Typ wie ich, nur so wenige Dinge in seinem Leben zustande bringt. Heute habe ich Geburtstag, ich bin 37 Jahre geworden, 37. Ich habe schon 37 auf dem Buckel, als mir das durch den Kopf ging, gab mir das zu denken. Es wird einem klar, dass Mozart in meinem Alter, schon 2 Jahre tot war. Ein Jammer ist das, aber ich schaffe das schon… mit der Kugel.“
(Nicholas Hessenkamp)

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