Benutze Hamster mit Mikrowelle



‚Maniac Mansion‘, ‚Monkey Island‘, ‚Leisure Suite Larry‘, ‚Loom‘, ‚Sam & Max‘…Spieltitel, bei denen die meisten 20 bis 30jährigen glänzende Augen und Nostalgiegefühle bekommen. Eine Grabrede und Lobeshymne an die guten alten Adventure.

Sie erschienen in Zeiten, in denen wir sonderbare Formeln wie LOAD „$“,8,1 in den C-64er getippt haben und rote Joysticks wütend durch unser Jugendzimmer pfefferten, weil Giana mit der Punkerfrisur wieder einmal in den Abgrund gehopst ist. Die klassischen Adventurespiele machten Computerspielgeschichte und starben beim Einschlag der immer größeren Grafikpracht mehr oder weniger aus. Die Geschichte der Adventures beginnt Ende 70er, als Computerfreaks mit riesen Brillengläsern nach nächtelanger Arbeit die ersten Textadventure programmiert hatten. In seltsamen Sätzen musste der Spieler eintippen, was der Held zu tun hatte und bekam als Belohnung anfangs nicht mehr als eine Antwort. Umso revolutionärer wurde die Entwicklung der ersten Adventure beobachtet, bei denen die getippten Befehle grafisch ausgeführt wurden. Spiele wie King´s Quest werden dabei bis heute sehr gerne gespielt.

Viel bequemer war die Angelegenheit 1987, als Lucasarts mit dem Spiel Maniac Mansion die später so gefeierte Scumm (Script Creation Utility for Maniac Mansion) einführte, bei der die Befehle bereits in einem Bildabschnitt angezeigt wurden und vom Spieler lediglich mit dem Inventar oder dem Spielgeschehen per Maus in Verbindung gebracht werden mussten.

Die Handlung von Maniac Mansion? Sehr schräge Famillie wird von einem Meteor kontrolliert, kidnappt die hübsche Sandy und möchte die Welt erobern (oder so ähnlich). Sandys Freunde, von denen sich der Spieler sogar zwei aussuchen konnte, sollten ihre Freundin befreien und dem ganzen Spuk um die gruselige Villa ein Ende machen. Und so wurden die Spieler zu der Zeit mit Fragen gequält wie: „Wozu braucht Edna einen Spiegel über ihrem Bett?!?“ und „Wo zum Teufel bekomme ich Öl für die Kettensäge her?“. Die Adventurekundigen Spieler wissen bereits wie der nächste Satz aussehen wird: Zumindest die zweite Frage wurde im Spiel Zack McKracken beantwortet. Dort fand man das Öl und konnte natürlich ohne Kettensäge nichts damit anfangen. In diesem Spiel bereiste der Single Zack die Welt und versuchte sich seltsamen Aliens zu stellen.

Zwei Gesellen, die bis heute durch die virtuellen Inseln bzw. Betten reisen sind Guybrush Threepwood und Larry Laffer. Während der eine sich in Wortgefechten mit Piraten messen kann, konzentriert sich Larry auf die Frauen und macht sich an nun wirklich jede Frau ran. Trotz der großen Bandbreite an Themen verband die meisten Adventures die Gemeinsamkeit, dass sie vor Ideen und Witz nur so sprühten und sich darin gegenseitig immer wieder übertrafen. So begleiteten uns die Adventure durch unsere Computerwechsel: C-64, Amiga und dann der PC (vermutlich ein 486 DX2 mit 4MB RAM) und waren dank des zweiten und bisher leider letzten Teils der Maniac Mansion Reihe Day Of Tentacle, parallel zur Entwicklung der CD-Rom Technologie, mit für das Aufkommen der PCs in Kinderzimmern verantwortlich.

Das Aussterben begann in etwa zu der Zeit, als die Teenies ihre ersten feuchten Träume an Lara Croft verschwendeten und der Begriff 3D-Adventure aufkam. Spiele wie Grim Fandango oder die letzten Monkey Island Teile konnten zwar durchaus überzeugen, liessen jedoch den Nostalgiefaktor der alten Point & Click Adventures vermissen. Und so scheitern jegliche Versuche die alten Zeiten mit einem Adventurespiel der alten Schule aufleben zu lassen, an den gestiegenen Anforderungen an die Grafik und den Versuchen jedem Spiel einen Touch 3D zu verleihen. Umso erfreulicher ist die Beobachtung der Fanprojekte, die Spiele wie Maniac Mansion Deluxe oder Zack McKracken programmieren und damit die guten alten Zeiten aufleben lassen. In dem Mammutprojekt Zack McKracken – Between Time and Space arbeiten einige Programmierer momentan an einem optisch beeindruckenden Adventure mit der Geschichte um Zack McKracken. So haben wir auch heute noch die Chance auf unseren – inzwischen viel zu schnellen – Rechnern diese Klassiker zu spielen. Und so makaber es ist: die Sache mit dem Hamster und der Mikrowelle funktioniert tatsächlich, wenn man bei Maniac Mansion Syd wählt…habe ich erst gestern herausgefunden.
(Sebastian Jegorow)

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