Banksy 1



Paris Hilton, die Queen, Mona Lisa mit einem Rocket Launcher und ganz viele Ratten in einem Artikel unterzubringen, ohne in die Fiktion oder Nonsense abzudriften, ist schon nicht einfach. Wenn es sich bei dem Text um einen Artikel über den Guerilla-Künstler Banksy handelt, ist es jedoch sogar unvermeindlich über eine solch obskure Mischung zu schreiben. Der geheimnisvolle Mann aus Bristol hat in den vergangenen Jahren einen steilen Aufstieg hingelegt und es geschafft sich mit der sonst so verpönten Streetart in der Kunstszene zu etablieren.

Bestes Beispiel für Banksys Status sind die empörten und betroffenen Reaktionen der Bewohner und Medien, nachdem Unbekannte eines seiner Bilder im Herzen Londons einfach aus der Wand geschnitten und mitgenommen haben. Dabei ist der Künstler auf dem besten Wege ein Produkt zu werden. Blur wählten ihn für ihr Artwork der Platte Think Tank aus und spätestens seitdem Brad Pitt und Angelina Jolie sich als Banksy-Fans geäußert und eine beachtliche Summe für ein Werk des Künstlers hingeblättert haben, ist Banksy auch in der High Society zuhause. Zu dem wachsenden Erfolg beigetragen hat dabei insbesondere die genial ausgelegte Mystifizierung der Person Banksy. Der Künstler, der angeblich in Bristol geboren wurde und anfang 30 ist, spricht mit der Presse nur über den Agenten und hält seine Identität streng geheim. Selbst seine Eltern und Freunde wissen angeblich nichts vom Künstlerdoppelleben ihres Sohnes.

Banksys Kunst geht jedoch über das Spiel mit dem Schablonengraffiti hinaus. So hat er im vergangenen Sommer einige Exemplare des Paris Hilton Albums im Virgin-Megastore gekauft, das Artwork zuhause umgebastelt, mit Kommentaren wie „Every CD you buy puts me even further out of your league“ versehen, sie ebenfalls musikalisch gemixt und die Exemplare daraufhin heimlich im Laden zurückgestellt. Gelegentlich erstellt er „Remixe“ bekannter Kunstwerke und mischt dabei die Idylle der klassischen Landschaftsbilder mit der urbanen Verwüstung und Kampfhubschraubern oder schenkt der Heilligen Maria einen IPod. Zudem spielt Banksy immer wieder mit Straßenschildern, Verboten und Markennamen. Banksy bewegt sich frei in einer Umwelt, die mit Logos und Verboten vollgepflastert ist, macht uns auf unsere Grenzen aufmerksam und perfektioniert dabei das Adbusting und Culture Jamming.

Ob das Bild der knutschenden Bobbys oder das hungernde Kind in Afrika mit einer Burger King Krone auf dem Kopf. Die Werke des Guerillakünstlers lassen den Beobachter nicht kalt und erinnern in ihrer Wirkung häufig an kontroverse Künstler wie Gottfried Helnwein, ohne dabei plakativ zu werden oder auf übliche Aufmerksamkeitsmagnete wie Sex oder Blut zurückgreifen zu müssen Dabei bezieht Banksy auch oftmals politisch Stellung. Bestes Beispiel dafür ist seine Aktion im Disneyland in Kalifornien, wo er eine orangene Puppe an einen Zaun stellte, die aus der Entfernung extrem an einen Häftling in Guantanemo erinnerte. Auch im Gazastreifen war Banksy tätig. Dort machte er neun Bilder an der palästinensischen Seite der Sperre. Das bekannteste Bild ist dabei das Mädchen, das an Luftballons hängt und über die Mauer zu schweben scheint. Bei einem weiteren handelt es sich um eine „cut it out“-Schablone, anhand der man ein Loch in die Mauer schneiden soll.

Gelegentlich schmuggelt Banksy selbst erstellte Bilder heimlich in große Museen und dokumentiert daraufhin wie lange sie hängen bleiben ohne aufzufallen. Legendär dabei ist der auf Stein gemalte Höhlenmensch mit einem Einkaufswagen, der als Artifakt einer längst vergangenen Zeit immerhin über eine Woche im Londoner British Museum überlebte und daraufhin in die Sammlung offiziell aufgenommen wurde. Bei einem anderen Projekt schmuggelte Banksy das Bild einer Tomatensuppendose in das Museum of Modern Art. Inmitten der Popart-Bilder fiel es erst nach einer Woche auf und wurde daraufhin abgehängt. Dadurch stellt er das Selbstverständnis, mit dem wir Kunst wahrnehmen, in Frage und setzt den „das kann ich auch“ Gedanken in Praxis um..So langsam sind die Bilder des Briten in den großen Kunstausstellungen jedoch willkommen, denn auch das Kunst-Establishment ist immer interessierter an Banksy und Streetart im allgemeinen. Selbst etablierte Kunstmagazine wie Art widmen dem unbekannten eine Titelstory und in Kunstbuchhandlungen findet man immer mehr Bücher, die sich der Streetart im allgemeinen widmen. In dem aktuellen Buch Wall and Piece präsentiert er auf über 200 Seiten einen Überblick über sein Schaffen. Dabei werden sowohl sein Schablonengraffiti-Werke, als auch andere präsentiert.
[Sebastian Jegorow]


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Ein Gedanke zu “Banksy

  • Marco

    Guter Artikel, habe mir „Wall and piece“ damals in London zugelegt. Bis heute eins der wichtigsten Zeitgenössischen Kunstbücher überhaupt!!
    2001 oder 2002 habe ich unabsichtlich einen originalen Banksy vor Ort fotografiert. Chequebook Vandalism war glaub ich der Titel.
    Banksy gibt’s mittlerweile in Camden auf T-Shirts.