Pete Yorn – Nightcrawler



Mit seinem Debüt Musicforthemorningafter sorgte Pete Yorn für viel Euphorie. Plötzlich interessierte sich die Welt wieder für all die traurigen Einzelgänger und entdeckte sonderbare Männer wie Ryan Adams oder Brendan Benson, die zu Vorzeige-Indies erklärt wurden und uns bis heute noch mit ihrem Klagen und Liebesschmerz beglücken. Und Pete Yorn selbst? Sein zweites Album Day I Forgot wirkte durchwachsen und glänzte nur hin und wieder mit Songs wie Burrito oder Turn Of The Century. Nach einer Liveplatte folgt nun sein drittes Studioalbum, das zugleich die Vollendung einer Trilogie sein soll. Vom Morning über den Day hin zur Night. Aha.

Zunächst ist alles in bester Ordnung. Vampyre schleicht sich langsam ran, präsentiert uns einen düsteren Pete Yorn, der dann irgendwann sogar beißt und um sich schlägt. Da macht die Sache mit der Nacht sogar noch Sinn und Spaß. Doch dann folgt das, was hier einfach nur als langweiliger Mittelmaß bezeichnet wird und den Hörer die Nacht eher mit einer Schlaftablette assoziieren läßt. Schlechte Songs verdienen einfach keine originelle Beschreibung. For Us, Undercover, Policies lassen einen vor lauter Ami-Gerocke auf Sparflamme hilflos an den aalglatten Stücken abrutschen. Erst die Dixie Chicks (!) sorgen bei The Man für einen Lichtblick, ehe Maybe I’m Right wieder ungefähr so langweilt wie ein Dia-Abend bei Tante Hedwig. Irgendwo trommelt sogar der selige Dave Grohl, doch das möchte man nicht wirklich wissen.

Dass Pete Yorn auch anders kann, zeigt er glücklicherweise auf der zweiten Hälfte des Albums desöfteren. So gelingen ihm mit Same Thing und dem verspielten Georgie Boy überaus gute Midtempo-Songs. Mit der wunderschönen Ballade Ice Age macht er die Platte sogar halbwegs kaufenswert und Splendid Isolation begrüßt den Hörer zu seiner Freude endlich mal mit der locker gespielten Akustikgitarre und einer Mundharmonika. Da macht es nach all dem Fluchen und der Enttäuschung über die erste Hälfte fast schon nichts aus, dass zwischen den Highlights der zweiten Hälfte ebenfalls nur Durchschnittliches zu hören ist.

Nightcrawler ist trister Durchschnitt mit einigen Höhepunkten und sorgt, trotz aller Liebe zu der Stimme, eher für Müdigkeit.
[Sebastian Jegorow]

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