Ezio – Ten Thousand Bars



Unsere Kulturgeschichte strotzt nur so vor besondere Paaren. John und Yoko, Samuel Jackson und John Travolta und natürlich Laurel und Hardy. Mindestens genauso viel Charme besitzen die beiden Musiker von Ezio, die musikalisch Folkrock und Blues miteinander mischen. Das ehrliche Schlitzohr Ezio Lunedei und sein massiger Mitstreiter Mark „Booga“ Fowell, bei dem die Akustikgitarre, die zum Markenzeichen der beiden geworden ist, eher nach einer Ukulele aussieht. Immer mit dabei das Image der ständigen Wanderer. Tourpläne, die länger sind als Saddam Husseins Sündenkartei und jeden Abend ein anderer Club. Ten Thousand Bars eben.

Ebenfalls mit dazu gehörte zuletzt immer wieder das Gefühl, zwei unterschiedliche Seiten einer Band präsentiert zu bekommen. Einerseits waren da die euphorischen Liveauftritte, bei denen Ezio trotz überteuerter Eintrittspreise für volle Hallen sorgten, und die Fans mit ihrem grandiosen Zusammenspiel wie die Rattenfänger von einer Stadt in die nächste ködern konnten. Und andererseits die letzten beiden Alben, bei denen auf das mittelmäßige Higher die musikalische Darmverstimmung Making Of Mister Spoons folgte. Lust und lieblos wirkten die beiden auf dem Album. Zwei Jahre und vermutlich etwa 500 Konzerte später folgt nun der Neuanfang in Sachen Studioaufnahmen. Diesmal sogar mit dem flauschig warmen Tapete-Label im Rücken und der Weisheit „Wenn du dazu nicht tanzen, autofahren oder poppen kannst, ist es einfach nichts wert“.

Während Making Of Mister Spoons eher nach der nervigen Pflichtbewältigung klang, scheint Ten Thousand Bars tatsächlich ein Album zu sein, das der guten Songs wegen aufgenommen wurde. Songs wie dem Mandolin Song, der bereits vor einem Jahr bei ihren Auftritten mit all seiner Unschuld die Herzen brach. Bereits in den ersten Stücken zeigen die beiden Musiker viel Spielfreude und geben sich unverkrampft. Und dann klingt das ganze wieder nach den ehrlichen Arbeitern, die auf Diesel Vanilla viele Sympathiepunkte sammeln konnten. Auf Ten Thousand Bars leben Ezio mehr denn je zwischen zwei Polen und bluesrocken den Hörer mal mit einem Hotel Motel oder Woohoohoo an die Wand und sind dann wieder ganz sanft wie bei Holding You Now.

Einen Angel Song oder ein zweites Deeper findet man jedoch auch hier nicht. Die unglaublichen Glücksgefühle der früheren Highlights sucht man wieder vergeblich. Doch im Unterschied zu den beiden Vorgängern gibt es diesmal genug Trost in den kleinen Höhepunkten der neuen Stücke. Besonders gelungen ist dabei If You Want To Go. Hier gelingt es Ezio Lunedei zum ersten mal seit At The Moment wieder, die volle Intensität seines Gesangs für alle Ewigkeit auf einen Datenträger zu pressen.

Auch nach Ten Thousand Bars bleiben Ezio die großartige Liveband, die hin und wieder ein Studioalbum aufnimmt. Diesmal zeigen sie sich dabei jedoch über weite Strecken endlich wieder von ihrer guten Seite.
[Sebastian Jegorow]

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