Guster – Ganging Up The Sun


Guster - Ganging Up The Sun

Eine Album-Review schreiben? Wieso eigentlich nicht. Über das neue Album von Guster? Klar. Einziges Problem: Was heißt denn „Guster“ überhaupt? Schnell nachgeschlagen und schon um einiges schlauer. Guster kommt vermutlich von „gust“, was soviel bedeutet wie „Sturm, Ausbruch“. Na, dann kann`s ja losgehen.

Wer jetzt vom fünften Studioalbum der vierköpfigen Band aus Massachussetts leidenschaftliche Ausbrüche erwartet, wird seine Anforderungen etwas zurückschrauben müssen. Allerdings nur in dieser Hinsicht. Denn mit Ganging up on the Sun ist den vier Jungs ein Album gelungen, das durch eine gute Mischung aus schnellen, mitunter rockigen Nummern, Midtempo- und ruhigen Songs überzeugt und, wie es der Titel andeutet, genau das Richtige ist für Tage, an denen man mit der Sonne überhaupt gar nichts zu tun haben will. Dann kann man sich von Guster mit auf eine abwechslungsreiche Reise in eine andere Welt nehmen lassen.

Auf ihrem neuesten Album machen sich bei Guster, wahrscheinlich auch dank ihres 2003 zur Band hinzugestoßenen neuen Mitglieds Joe Pisapia, neue Musik- und Instrumenteneinflüsse bemerkbar. So zeigen sich zum Beispiel elektronische Einflüsse. Der Song Satellite ist ein wunderbar verträumter, melancholischer Song, bei dem sich auf leichte Gitarren- und Schlagzeugbegleitung beschränkt wird und von dem man auch annehmen könnte, er stamme von der französischen Band Air. Auch das düstere Ruby Falls ist ein elektronisch angehauchter Song, der einen anfangs durch zaghafte Gitarrenbegleitung und Gesang dazu einlädt, in andere Sphären abzudriften, um einen dann mit einem „härteren“ Gitarrenriff zurück in die Realität zu holen. Aber auch wenn man zu hören bekommt, dass „some things are best unsaid“, lohnt es sich auf jeden Fall, bis zum Ende zu hören, was der Sänger zu sagen hat, um sich am Ende vom Klang eines Saxophons wieder in besagte andere Sphären befördern zu lassen. Bei der Midtemponummer The Captain übernimmt ein Banjo die musikalische Führung, was dem Song eine außergewöhnliche, durchaus sympathische Note verleiht.

Mit The New Underground und The Beginning of the End wird es dann etwas rockiger. Hier wird mal etwas härter in die Gitarren gehauen und auch der Schlagzeuger der Band darf sich austoben. Besonders The New Underground ist dabei zu empfehlen, es besticht durch seine etwas aggressiveren Gitarrenriffs, einen eingängigen Rhythmus und die Bongoeinlagen. Doch im Hinblick auf ihre instrumentelle Vielfalt sind die Jungs noch längst nicht am Anfang vom Ende angekommen. Mit Manifest Destiny und C`mon kriegt man gutgelaunte…ja, vielleicht Popmusik, auf die Ohren, was jetzt gerade nur ein Versuch ist, diese Lieder in eine Musikkategorie einzuordnen und keinesfalls bedeuten soll, dass sie deswegen weniger hörenswert sind. In beiden Songs kommen Klavier und Percussions zu ihrem Zug und wenn Leadsänger Ryan Miller in C`mon singt „We`ll be alright, we`ll be easy“ bleibt einem gar nichts anderes übrig, als auch total easy zu sein. Als kleines Juwel des Albums kann man One Man Wrecking Machine bezeichnen (an dieser Stelle sehr zu empfehlen ist das Video zu dem Song: In der Hauptrolle ein gelbes, konfuses Tierchen in Form einer Kartoffel).

Bei einer eingängigen Melodie und schlichter musikalischer Begleitung kann man sich ganz dem Schwelgen des Sängers in seiner jugendlichen Vergangenheit und dem Wunsch, so manches noch einmal besser machen zu können, hingeben. Und während der Sänger in One Man Wrecking Machine immer noch auf My Moment To Come wartet, weiß man, nachdem man das Album gehört hat, dass dessen Moment schon längst gekommen ist. (Vera Hölscher)


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0 Gedanken zu “Guster – Ganging Up The Sun

  • Kahina

    ich bin ein riesen Guster-fan. auch wenn ich sagen muss, dass das Album nicht gerade das beste ist. „Goldfly“ oder „lost an gone forever“ sind da schon um einiges besser. Kennt einer eine deutsche Guster-fanseite?

  • Sascha (S-R)

    Hi Kahina,
    über eine deutsche Guster-Fanseite weiss ich leider nichts, aber bei deinen Punkten stimme ich vollkommen mit dir überein. „Ganging Up…“ ist ein gutes Album, aber mit „Goldfly“ oder „Lost and gone forever“ kann es lange nicht mithalten. Mein persönlicher Favorit ist übrigens das noch fast gänzlich akustisch gehaltene „Parachute“. Drücken wir also die Daumen das die Jungs endlich mal nach Deutschland kommen, ich warte da schon seit 1996 (bisher vergeblich) drauf :(.
    Viele Grüße,
    Sascha