Götz Widmann 1


Goetz Widmann

Der aus Bonn stammende Liedermacher Götz Widmann wird vielen bereits durch seine Zeit in der Kapelle Joint Venture ein Begriff geworden sein. Nach dem Tod seines damaligen Bandkollegen und Freundes Martin „Kleinti“ Simon, hat Götz seine Solo-Karriere gestartet. In seinen satirisch-humorvollen Liedern behandelter Themen wie Frauen, Drogen, Alkohol und Politik.

Ende letzten Jahres ist seine langersehnte DVD Harmlos auf den Markt gekommen, in der er seine Fans auf eine Reise quer durch die Zeit mit Joint Venture bis heute schickt. Uns hat der Bonner einige Fragen im Rahmen eines Interviews beantwortet.

SR: Götz, vor kurzem ist endlich deine langersehnte DVD „Harmlos“ auf den Markt gekommen.Wieso hat es so lange gedauert?

Götz Widmann: Es war meine erste DVD, und wenn man eine Doku über seine ganzes bisheriges Leben macht, wird einem irgendwann klar, daß man nur einmal die Chance hat, das Thema zu verarbeiten. Wir wußten, wenn die DVD mal draußen ist, können wir nichts mehr daran korrigieren. Also haben wir solange daran rumgebastelt, bis wir wirklich 150% zufrieden waren. Am Ende waren es vier Jahre. Aber die unglaublichen Reaktionen der Leute, die sie gesehen haben zeigen mir, dass es sich gelohnt hat.

SR: Die DVD bietet einen Querschnitt von den frühesten Anfängen von Joint Venture bis heute.Was genau hat dich dazu ermutigt, nach dem Tod von Kleinti, mit der Musik weiterzumachen?

Götz Widmann: Irgendwann war mein Geld alle. Die Alternative wäre gewesen, mir irgendeinen Scheißjob zu suchen und da hatte ich nicht viel Lust drauf.

SR: Wenn man sich deine Lieder vom ersten Solo-Album „Götz Widmann“ bis hin zum aktuellen Album „Habt euch lieb“ anhört, so kann man eine leichte Entwicklung von doch eher satirisch-humorvollen Texten zu doch eher ernsteren,nachdenklicheren Themen festellen.Wie kommt es dazu?

Götz Widmann: Das sagen viele, ich persönlich nehme das gar nicht so intensiv wahr. Es gab auch schon in Joint-Venture-Zeiten etliche ernste Songs. Allerdings fanden die mehr auf den CDs als live statt. Mittlerweile traue ich mich halt, die Sachen auch live zu bringen, weil ich gemerkt habe, daß die Leute sehr viel positiver darauf reagieren als ich erwartet hätte. Und diese Erfahrungen nehme ich dann natürlich auch mit an den Schreibtisch.

SR: Auf deinem eben schon erwähnten neuen Album „Habt euch lieb“ bist du mit Band zu hören.Wie kam es zu dieser Idee?

Götz Widmann: Ich hatte einfach mal Lust mit anderen Leuten zusammenzuarbeiten. Bei Joint Venture hatten wir immer einen regen Ideenaustausch, das konnte sehr anstrengend sein, aber wenn einem was gemeinsam gelingt, kann man es auch zusammen feiern. Das wollte ich halt mal wieder erleben.

SR: Sind weitere Alben bzw. auch Auftritte in dieser Konstellatiom geplant?

Götz Widmann: Letzlich hat sich die Produktion mit Band doch als extrem arbeitsintensiv herausgestellt und ich bin ein fauler Mensch. Ich habe mich noch nicht 100% entschieden, aber im Moment halte ich es für am wahrscheinlichsten, daß ich als nächstes wieder eine Live-Solo-CD rausbringe. Trotzdem war es andererseits auch garantiert nicht meine letzte CD mit Band. Eine Bandtour wäre schon sehr schön, aber die ganze Organisiererei und das finanzielle Risiko möchte ich mir im Augenblick nicht zumuten.

SR: Auf dem Album sind viele Künstler zu hören, wie u.a. Janina, die dich ja auch auf deiner Tour begleitet,Strom und Wasser sowie Veit von J.B.O..Gibt es einen ganz besonderen Musiker oder Künstler, mit dem du gerne mal auf der Bühne stehen würdest?

Götz Widmann: Wenn ich es mir jetzt wirklich raussuchen könnte, würde ich am liebsten nochmal mit Kleinti auf der Bühne stehen.

SR: Wenn du mit einem Menschen auf dieser Welt für einen Tag die Rollen tauschen könntest. Wer wäre dies?

Götz Widmann: Meine Freundin, das wäre bestimmt extrem aufschlussreich.

SR: Mal etwas ganz anderes: Auf deinem Album „Götz Widmann“, singst du zum ersten Mal im Lied „Dein Vater hat nen Kater“ über deine Tochter. Götz Widmann als Vater oder Musiker: Welche Rolle ist schwieriger,und warum?

Götz Widmann: Als Vater. Als Musiker kannst du dich an deinen Songs festhalten, als Vater mußt du ständig improvisieren. Und du kannst auch nicht bis drei Uhr nachmittags im Bett liegen bleiben.

SR: Auf der DVD sprichst du u.a. davon, wie schwierig es für dich ist, deine Tochter zu einem „anständigen“ Mitglied unserer Gesellschaft zu erziehen. Wie schaffst du es dennoch?

Götz Widmann: Ich versuche mich in ihrer Gegenwart halbwegs verantwortungsvoll zu benehmen. Außerdem hat sie eine tolle Mutter, deren positivem Einfluß ich blind vertraue.

SR: Wenn man einen Blick auf deinen Tour-Kalender wirft, stellt man fest, dass du rund um die Uhr unterwegs bist. Wieviel Zeit bleibt da für die Familie?

Götz Widmann: Viel zu wenig, um den Menschen, den ich liebe, immer gerecht zu werden. Eine der Schattenseiten eines ansonsten sehr schönen Berufs.

SR: Wie würdest du den Privatmenschen Götz Widmann charakterisieren?

Götz Widmann: Ich glaube ich bin ein ganz netter Kerl, aber lange nicht so cool, wie ich in meinen zweieinhalb Paradestunden auf der Bühne rüberkomme.

SR: Wenn du die Uhr zurückdrehen könntest, was würdest du ändern bzw. genauso wieder tun?

Götz Widmann: Ich würde nie wieder BWL studieren.

SR: Was sind deine persönlichen Vorsätze für das Jahr 2007?

Götz Widmann: Hab keine.

SR: Ein letztes Wort an die Leser?

Götz Widmann: Habt euch lieb.

SR: Vielen Dank für das Interview!


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