Clap Your Hands Say Yeah – Some Loud Thunder


Clap Your Hands

Clap Your Hands wurden nach ihrem Aufstieg aus dem Nichts zum Musterbeispiel der Möglichkeiten des Web 2.0 und Vorbild aller Independentbands. Die alte Leier also, die wir im Rahmen des Blog-Booms der letzten 2 Jahre viel zu oft durchgekaut haben. Nun liefern die Bostoner ihr zweites Album ab.

Angetrieben wird dieses auch diesmal von Alec Ounsworths unvergleichlich verstörender Stimme und Songs, die den gewöhlichen Rahmen sprengen, ohne dem Bombast zu verfallen. Diesmal scheinen die Amerikaner jedoch einen Schritt weiter zu gehen. Mehr Detailverliebtheit hört man an allen Ecken heraus. Und die Songs?

Die ersten Stücke sorgen zunächst für große Verwirrung. Sie schleppen sich selbst dann, wenn sie Gas geben, überraschend gequält dahin und wollen so gar nicht greifen. Übrig bleiben immerhin verdammt interessante Songs, die mit Disharmonien spielen, hin und wieder mit tollen Textpassagen beeindrucken und einen vor Dave Fridmanns (passenderweise unter anderem für die Flaming Lips verantworlich) völlig überdrehter Arbeit als Produzent mal wieder auf die Knie fallen lassen.

Erst im Falle von Satan Said Dance gibt es die quirlige Pophymne, die zudem die Detailverliebtheit der neuen Platte abbekam. Die subtile Eingängigkeit, von der das Debütalbum nur so strotzte, ist hier sofort zur Stelle. Ebenfalls ganz wunderbar fällt das berauschend verspielte Goodbye To The Mother And The Cover, bei dem im Hintergrund Gitarrenläufe fröhlich vor sich hintänzeln. Beim großen Teil der restlichen Stücke gibt es, statt eines ‚Hell Yeah!‘, auch nach dem zwölften Durchgang zu großen Teilen lediglich die große Verwirrung. Die Eigendynamik und Unschuld eines Upon The Tidal Waves Of Young Blood oder Clap Your Hands! scheint einfach spurlos verschwunden zu sein.

Irgendwann in ferner Zukunft liegen Lena und Tom, die Urenkel des Indierotzes von Heute, vollgedröhnt mit irgendeiner futuristischen Droge auf einem Bett in einem kleinen Zimmer mit blauroten Wänden. Gemeinsam hören sie Some Loud Thunder, das Lena auf dem verstaubten Ipod auf dem Dachboden ihres Großvaters fand. Sie jagen die Songs gedanklich, während ihre Hände ausnahmensweise einmal ruhen. Doch selbst sie haben nicht die geringste Chance dieses hektische Treiben einzufangen und sehen nur hin und wieder die bunten Rücklichter dieser Platte, die vielleicht tatsächlich verdammt gut ist, vielleicht aber auch einfach nur durchschnittliche Songs mit vielen tollen Ideen mischt und deswegen die Wucht des Debüts vermissen lässt. (Sebastian Jegorow)

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