Ben Folds – Supersunnyspeedgraphic, the Lp


Ben Folds – Supersunnyspeedgraphic, the Lp

Wer die neueste Ben Folds CD als neue Studio-CD der Piano-Rampensau ansieht, liegt falsch. Sicherlich, auf Supersunnyspeedgraphic, the lp verbergen sich 12 Songs, die noch auf keinem regulären Folds-Longplayer Platz fanden.

Veröffentlicht wurden diese an der ein oder anderen Stelle aber bereits. Vor seinem letzten Album Songs For Silverman entschied sich der Musiker nämlich dafür drei nur über das Internet vertriebene EPs herauszubringen. Diese EPs erklären auch den langen und komischen Titel der hier vorliegenden CD. Super D, Sunny 16 und Speed Graphic waren ihre Namen und sie beinhalteten je fünf Songs.

Laut Booklet hätten diese Songs eigentlich seine zweite Studio-Platte zwischen Rockin’ The Suburbs und Songs For Silverman gebildet. Durch die technischen Möglichkeiten des Internets entschied man sich jedoch für einen anderen Weg zu gehen. Da allerdings auch Ben Folds findet, dass regulär veröffentlichte Alben, die man auch im Plattenladen kaufen kann, mehr Charme versprühen als kleine, sporadische Internetveröffentlichungen, wählte er aus der EP-Triologie einige Tracks aus. Man mischte ein paar davon neu ab und brachte im Oktober 2006 diese „Zusammenstellung“ heraus. Neben zehn Songs der drei Internet-EP’s schafften es noch das Dr. Dre-Cover Bitches Ain’t Shit und Bruised von der The Bens-EP, die Folds zusammen mit Ben Lee und Ben Kweller aufnahm, mit auf Supersunnyspeedgraphic, the LP.

Es liegt nahe die Platte mit Silverman zu vergleichen. Doch im Kontrast zum großartigen Silverman fehlt es Supersunnyspeedgraphic, the LP jedoch einfach an dem gewissen Fluss. Zusammengewürfelte Highlights, die mitunter nicht perfekt ineinander greifen, beschreibt es denke ich ganz gut und zeigt genau auf was das Album ist. Die Songs entstanden nicht in einem organischen Schreibprozess für eine Platte und ein Drittel der Tracks sind Coversongs. Nicht falsch verstehen, auf dem Album befinden sich etliche klasse Nummern und speziell die Cover Get Your Hands Off My Woman (The Darkness), In Between Days (The Cure) und das bereits erwähnte Bitches Ain’t Shit (Dr. Dre) machen ohne Ende Spaß. Mal ehrlich, wer kann sich bitte noch auf dem Sitz halten wenn Folds zu einer wunderschönen Melodie von „hoes“, „motherfuckin’ gangsta beats“, oder „shit“ den er „uncocken“ möchte (was auch immer das genau bedeutet) singt. Man stelle sich vor Konstantin Wecker würde Sido covern. Irgendwie abwegig, aber nachdem man Folds’ Dr. Dre-Cover gehört hat, wird man neugierig wie sich so was anhören könnte.

Neben den Covern befinden sich auf Supersunnyspeedgraphic, the LP einige der besten Stücke und vor allem Texte, die Ben Folds bisher geschrieben hat. Die US-Gesellschaftskritik in All U Can Eat ist witzig verpackt und punktgenau beschrieben. Da geht jemandem gewaltig etwas auf den Sack und dieser Jemand schreibt auch noch einen passenden Song darüber. Zwar wird dieses Stück wohl nie über die Lautsprecher eines amerikanischen Wal-Marts laufen, aber genau dort würde das Lied, man könnte es auch Spiegel nennen, hingehören. Schlagzeug, Bass und dezente Streicherklänge begleiten Folds bei vielen der 12 Liedern. Supersunnyspeedgraphic, the LP ist vielleicht nicht so homogen wie andere seiner Alben, die Musik jedoch ist kein Deut schlechter. Ob kleine Anti-Hymne (There’s Always Someone Cooler Than You), Liebesanekdote (Bruised) oder diese Rampensaumomente (u.a. Get Your Hands Off My Woman), Supersunnyspeedgraphic, the LP ist ein echter Folds! (Sascha Knapek)

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