Arcade Fire


Arcade Fire

Es war über ein Jahr, in dem Funkstille um The Arcade Fire herrschte. Zurückgezogen hatten sie sich, in ihre in ein Studio umgebaute Kirche im Umland von Montreal. Klein und hübsch soll sie sein, hört man vom Hörensagen; gespannt ist man auch, was das Ergebnis dieses außergewöhnlichen Aufnahmeprozesses sein wird. Doch dazu später.

Entzückend bodenständig, so kann man diese Band beschreiben. Mitte Januar spielten sie eine „Secret Show“, ein Konzert, zu welchem eigentlich nur Freunde und Familie kommen sollten. „Mission Mile End“, eine Art Community- Service mit Französischsprachkursen und Essensausgaben, hatte bei ihnen angefragt, da sie dringend Geld benötigten. Und The Arcade Fire spielten, nicht nur für Freunde und Bekannte, da von diesem Konzert – natürlich – mit vorgehaltener Hand weitererzählt wurde. Viele Menschen kamen, um eine Karte zu bekommen; neben der Gästeliste galt das Prinzip „First Come, First Serve“. 400 Menschen wurden in besagten Keller gelassen, der neben der „Neon Bible“ auch ein Papst-Bild und polnische Flaggen beherbergte.

Owen Pallett (Final Fantasy) eröffnete den Abend sehr locker: er spielte 2 neue Songs, verhedderte sich beim zweiten und erwiderte dem erfreuten Publikum, dass er nun besser etwas spielt, was er auch kann. Dies war This lamb sells Condos (eines der Highlights auf seinem zweiten Longplayer mit dem eingängigen Titel „He poos clouds“), The CN-Tower belongs to the dead und Interview (ein Simon Bookish Cover). Er beendete, und kurz danach kamen The Arcade Fire auf die Bühne. Das Publikm stand unter Spannung, fieberte dem entgegen; über ein Jahr
hatten The Arcade Fire nicht mehr in Montreal, ihrer Heimatstadt, gespielt.

Doch da waren sie, strahlend, froh, voller umwerfender Energie und fingen an. Und wie!
Fast die gesamte Setlist bestand aus neuen Songs von Neon Bible (welches am 2. März in Deutschland erscheinen wird). Da man dabei leider nicht mitsingen bzw. – gröhlen kann, tanzten die Anwesenden umso exzessiver bei No Cars Go, welches noch fast genauso klang wie die Version der EP. Die Energie, die im Saal herrschte, ist kaum in Worte zu fassen; selbst der Tanzfaulste fängt mindestens an, mit dem Bein zu wippen, ja wenn nicht gar richtig zu tanzen. Auch singt fast jeder, und dabei geht es nicht darum, wie ein Berliner Männerchor zu klingen, nein; die Schiefheit bestimmte auch die Atmosphäre. Es ist ein Magnetfeld voller Energie, das The Arcade Fire umgibt: Als bekannt wurde, dass täglich 50 zusätzliche Karten für die eigentlich längst ausverkauften fünf Konzerte in Montréal verkauft werden, warteten Fans bei unter – 20°C die ganze Nacht, bis die Verkaufsstelle endlich um 10 Uhr morgens öffnete. Alternativen bot E-Bay, allerdings für den stolzen Preis von bis zu 300 CAD$ (ca. 200 Euro) pro Karte. War man einmal bei einem Konzert und hat die Lebendigkeit der bis zu 12 Musikern fassenden Liveauftritte gesehen, wirkt das ein bisschen weniger unverständlich: das Magnetfeld zieht einen an.

Die, die schnell, verrückt oder reich genug waren, für alle 5 Shows eine Karte zu ergattern, durften an jedem Abend eine kleine Besonderheit miterleben: einmal ein kleines Mädchen,
welches in weißem Kleid Le Loup Et Le Renard (Poeme de Lafontaine) vorlaß; ein Cover des französischen Chansons Poupee de Cire; einmal eine halb-akustische Zugabe im Keller der
Ukrainian Federation an der aus Sicherheitsgründen nur ein Drittel der Fans teilnehmen konnten, während die anderen eine Etage höher nach Zugabe verlangten und sie (nach der Kellerzugabe) in Form von Wake Up-akustisch in der Menge auch bekamen. Ob The Arcade Fire in Deutschland auch mit solchen Begeisterungsstürmen empfangen werden, bleibt abzuwarten.

Viele von denen, die die Reise nach Berlin, Köln oder München antreten und noch keine Fans sind, werden sich mit ziemlicher Sicherheit bald zu ihren Fans zählen. Was Chris Martin („This is
the best band in the world!“), David Bowie und Bandmitglieder von Radiohead im Übrigen bereits seit längerem tun. (Doreen Spange)

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