My Morning Jacket – Okonokos


Okonokos

Live-CDs sind ein Fall für sich. Manche Bands schmeißen mitunter lieblos zusammengestellte Compilations auf den Markt. Einen guten Live-Eindruck bekommt man selten. Anders bei der jüngsten Live-Doppel-CD Veröffentlichung von My Morning Jacket. Die insgesamt 21 Songs der Band aus Louisville, Kentucky überzeugen mit Abwechslungsreichtum und Spielfreude, die die meisten anderen Bands vor Neid grün werden lässt.

Besonders positiv fällt einem bei mehrfachen Durchläufen der Silberlinge auf, dass jeder Durchlauf seine eigenen Höhepunkte und neue Aha-Momente hat. Lange ging es mir nicht mehr so, dass ich nach dem xten Hören noch zweifelte ob mir das Gitarrenriff hier und der Hall dort überhaupt schon mal aufgefallen ist. Gerade der Hall, oftmals etwas negatives bei Livemitschnitten, spielt bei My Morning Jacket eine wichtige Rolle. Dieser Hall macht die Stimme von Sänger Jim James nämlich unverwechselbar und schafft einen geliebten (oder gehassten, für Leute die absolut nicht auf Hall stehen) Wiedererkennungswert. Schade ist nur, dass der meiner Meinung nach beste My Morning Jacket-Song, One Big Holiday, der normalerweise erst durch diesen Stimmeffekt grandios wird, auf Okonokos nicht gerade in seiner
Vorzeigeversion auftritt. Dass der Song trotzdem eins der Highlights bleibt, spricht für seinen Stellenwert im MMJRepertoire.

Dominiert wird das 21-Song-Set von Tracks der letzten beiden Alben It Still Moves und Z. Südstaatenrock und Neil Young seien hier kurz als Eckpunkte genannt, charakterisieren den MMJ-Sound aber bei weitem nicht ausreichend. Bei der Endphase (einem Gitarrenpart) von Lay Low kommt man nicht drumherum lächelnd an die guten, alten Allman Brothers zu denken. Wer allerdings denkt es hier mit einer Jam-Band zu tun zu haben, liegt falsch. Jammen können James und seine Mitstreiter zwar gut, aber trotzdem kommt man immer relativ schnell zum Punkt und verliert sich nicht in instrumentalen Endlosschleifen. Einzelne Songs hervorzuheben, bis auf die beiden die ich bereits genannt habe, will ich mir ersparen. Die Platte steht und fällt als Ganzes. Jeder hat auf Konzerten seine subjektiven Höhepunkte und „ich-gehmal-aufs-Klo“-Momente, dass ist auch bei Okonokos nicht anders.

Das Doppelalbum rockt, My Morning Jacket dampfen aus allen Löchern und der Hörer darf sich darauf freuen das Okonokos demnächst auch als DVD, also in Ton und Bild, veröffentlicht wird.(Sascha Knapek)

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