Damien Rice – 9


Damien Rice

Immer wenn Marie glücklich war, machte sie kleine Sprünge und lachte. Und wenn es ihr schlecht ging brachen ganze Welten wie Wolkenkratzer in sich zusammen. Irgendwann floh sie aus dem kleinen Kaff, in dem alle Menschen verbittert schauen, in die große Stadt. Es musste natürlich Berlin sein. Klare Sache. Etwa vier Monate später kam sie pleite und desillusioniert wieder und begann kleinen Mädchen das Reiten beizubringen und später in großen Lagern für Großkonzerte, die vor der Pleite standen, sinnlose Arbeiten zu verrichten. Sie hatte jedoch in Berlin einen neuen Lieblingsmusiker entdeckt. Nach einer Party, auf der sie darauf bestanden hatte seine Musik zu hören, hatte auch ich einen Lieblingsmusiker.

Seit dem sind statistisch gesehen etwa 4 Jahre vergangen. Was diese lange Zeitspanne mit einem Menschenleben anrichten kann ist natürlich eine andere Sache. Fakt ist: der besagte Lieblingsmusiker von damals bringt nach einer langen Wartezeit, in der er sogar angeblich mit dem Musizieren aufhören wollte, ein neues Album heraus.

Und dieses fängt mit Lisa Hannigans Gesang an. Die Musiker singt den Anfang der ersten Single 9 Crimes, die einen unerwartet ruhigen Anfang des zweiten Damien Rice Albums darstellt. Elephant, das ehemals als Blower´s Daughter pt. 2 bei Konzerten angekündigt wurde, passt – allein schon aufgrund der Zeile “This has got to die” und der Art wie diese vorgetragen wird – in die Elefantengroßen Spuren des Vorgängers. Coconut Skins zählt zu den schlichtesten und mitreißendsten Songs, die Rice je geschrieben hat und das Me, My Yorke And I Cover fällt noch agressiver und wuchtiger aus, als bei den diversen Livepräsentationen. Auch 9 steckt voller Textzeilen wie “We call it Christmas when the adverts begin / I love your depression and I love your double chin…” und Stellen, die man erst nach und nach lieben lernt. Bestes Beispiel dafür sind einige Zeilen in Accidental Babies und die sich steigernden Streichersätze am Ende von Animals Were Gone, die bei den ersten Durchgängen völlig überhört werden. Und am Ende ist es wieder Lisa Hannigan, die beim Lullabye Sleep Don´t Weep die Lichter sanft ausbläst.

Der Rest schwankt zwischen nett und typisch gewaltig. Unvergleichbar großes Songwriting, das im Falle von 9 an der Überdramatisierung erstickt, die im Gegensatz zu O Authenzität vermissen läßt. Doch das gerade nennt man wohl Jammern auf einem verdammt hohen Niveau. Final Words? “And so it is, just like you said it would be…”. Kein Meisterwerk, jedoch eine durchaus schöne Platte. (Sebastian Jegorow)

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