Damien Jurado @ Haus 73, Hamburg 1



Der ruhige Amerikaner, der früher mit Dave Bazan (Pedro The Lion) in Hardcorebands spielte, hat sich im Laufe der letzten zehn Jahre mit seinen unzählichen Alben bei Sub Pop und Secretly Canadian einen Namen als Songwriter gemacht. Auf seinem neuen Album spielt er mal wieder seine minimalistisch arrangierten Songs und setzt dabei auf eine unvergleichtbar intime Atmosphäre.

Diesmal wird er jedoch offiziell von einer Stammband begleitet, die aus seinen Freunden Jenna Fisher und Patrick Conrad besteht. Grund genug für die Band und den Songwriter Damien Jurado sich nach langer Zeit mal endlich wieder in Deutschland sehen zu lassen und im Hamburger Kellerclub des Haus 73 sein neues Album vorzustellen. Außerdem Grund genug für den Sonic-Reducer-Menschen 400 Kilometer Anreise auf sich zu nehmen, um den Songwriter live zu sehen.

Statt seiner guten Freundin, der Songwriterin und Komikerin Rosie Thomas, die ihn oftmals in Amerika begleitet, gibt es auf der Europa-Tour Josh Tillmann als Support. Der großgewachsene Musiker im Slackerlook tritt mit seiner Gitarre auf die Bühne und beginnt ohne große Worte, seine Songs zu spielen. Die Stimme erinnert an Ray Wilson und läßt anfangs noch aufschrecken. Im Laufe der Zeit findet man jedoch gefallen an den traurigen Stücken des Songwriters, der zwischendurch sogar von Jurados Band begleitet wird.

Als Damien Jurado dann auf die Bühne tritt, nimmt er wie immer Platz auf einem Stuhl und ruft damit die Zeile „Lover I Am Still Here Breaking Chairs“ herbei, die mit dem Song Hoquiam den Anfang des Jurado-Sets und seines neuen Albums ausmacht. Im Laufe des Abends gibt es hauptsächlich Stücke der letzten beiden Alben zu hören, bei denen man lediglich die filmreife I Had No Intentions-Geschichte schmerzhaft vermisst. Zeitweise greift Jurado auch auf Stücke seiner Rockplatte I Break Chairs oder der anderen Vorgänger zurück und spielt als Highlight eine fertiggestellte Fassung der wundervollen Songskizze How I Broke My Legs, die man auf der alten Four Songs EP finden kann. Auf der Bühne wirkt der Musiker meist introvertiert und in sich gekehrt. Seine musikalische Begleiterin Jenna Fisher scheint ihn hin und wieder zu einer kleinen Anekdote anzustacheln oder erzählt selbst von nervigen Konzertbesuchern in Schweden. Musikalisch werden die Stücke wundervoll nach dem „Weniger ist Mehr“-Prinzip begleitet. Auf stumpfe Begleitung wird komplett verzichtet. Stattdessen setzen Schlagzeug, Cello und E-Gitarre hin und wieder dezente Akzente oder bestimmen dominant den Rythmus der Songs. Am Schlagzeug wechseln sich die Musiker ab und lassen hin und wieder sogar den Support Josh Tillmann spielen.

Beim sphärischen Montesano tritt Jurado selbst an das Schlagzeug und begleitet seinen Gesang, das Cello und die E-Gitarre. So bilden die Songzeilen „In a landslide I can hear you walk away“ den perfekten Abgang der Begleitband und der zurückgelassene Songwriter spielt noch einige Songs, ehe er nach einigen Zugaben zum letzten mal seine Gitarre einpackt und sich zufrieden unters überwältigte Publikum mischt. Wie zufrieden er war, kann man vermutlich demnächst hier hören.

Beim Verlassen des Kellergewölbes ertönen chillige Elektroklänge. DJ Baze.Djunkiii legt auf, mischt Björk-Remixe und Elektrogefrickel und schickt die Hamburger Studenten damit in einen neuen Morgen. Electric Chill nennt sich das Ganze und gefällt durchaus, hat jedoch in diesem Artikel dann doch nichts mehr zu suchen.
[Sebastian Jegorow]


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