Bobby Bare Jr. – The Longest Meow


Bobby Bare Jr.

In Nashville ist noch alles anders. Auf dem Vorgänger From The End Of Your Leash singt Bobby Bare Jr. in einem Song verliebt von der Music City Da kommen Plektren aus Kaugummiautomaten und die Polizisten tragen Capodaster, falls man die Tonart wechseln möchte. In Nashville herrscht noch der Familliengedanke. Die Künstler zollen sich alle Nase lang Tribut und so kommt es in Wirklichkeit auch mal vor, dass Bobby Bare Jr. bei einer Unterhaltung nichts besseres zu tun hat, als die Silver Jews oder Josh Rouse zu loben (nun gut, der ist ja seit einem Jahr raus aus
Nashville..).

Oder eben für sein neues Album diverse Gäste aus Bands wie Lambchop oder Clem Snide um sich zu scharen und aus Spaß ein Album mit elf Musikern innerhalb von elf Stunden einzuspielen. Doch da ist eben Vorsicht geboten, da solche Experimente meist in die Hose gehen und verkrampft klingen. Der Opener Heart Bionic bestätigt die Skepsis. Ein durchschnittlicher Rocker ohne Höhepunkte. Was danach folgt sorgt jedoch für steigende Freude und klingt nach riesiger Spielfreude. Uh Wuh Oh zeigt, dass Bares stärke, der Rock, doch noch funktioniert, und man möchte die Musiker fast schon ohrfeigen, weil das Stück überaus unglücklich verfrüht rausfaded. Hin und wieder, wie bei Sticky Chemical, vergisst man die Country-Wurzeln des lustigen Amerikaners, findet sich irgendwo mitten in Mexiko mit lauter Trompeten um sich herum wieder und wird dann im Refrain doch wieder zurück in die Realität gebracht. Kurz vor Abschluß gibt es noch den Pixies Klassiker Where Is My Mind? in einer brillant Unplugged-Fassung und dann endet das Ganze auch schon mit Stop Crying, das zum Abschluß der Platte clever den End-Riff des alten Bobby Bare Jr. Songs Valentine klaut.

Auch wenn The Longest Meaow nicht ganz an From The End Of Your Leash herankommt, ist das Experiment geglückt und Bobby Bare Jr. ist eine weitere verdammt gute Platte gelungen, auf der er mal wieder mit viel Spielfreude die eigene Vorstellung von Countrymusik manifestiert. (Sebastian Jegorow)

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