Ben Kweller


Ben Kweller

Tom und Jerry. Bonnie und Clyde. Ambitioniertes Künstlertum und narzisstischer Größenwahn. Selten haben sich diese Paarungen ausgeschlossen, sie sind homogen, bilden eine Einheit. Doch Ben Kweller kratzt sich nur die Lockenpracht, gähnt müde, und wüsste sicher was über Tom und Jerry zu erzählen, schüttelt aber lieber ein Album aus dem Ärmel, was verdient seinen Namen trägt. Nein, keine Spur von narzisstischem Größenwahn, eher ambitioniert und konsequent das Ganze, slacken will eben gelernt sein.

Quasi im Alleingang hat der 25jährige Daddy, über Gitarre, Drums, Triangel, Keys alles selbst einspielt (unter der Regie des Produzenten Gil Norten – u.a. Pixies,), und ist vielleicht seinem Traum vom perfekten Popsong wieder ein Stück näher gekommen. Thirteen kommt dem Ganzen schon sehr nahe: Collagen und Momente einer Liebe, einfühlsam besungen und gekonnt arrangiert, hier wird gar auf den Refrain verzichtet, und doch: fehlen tut nichts.

Penny on the train track mit seinen treibenden Drums und Kwellers Gespür für Übermelodien, geht direkt ins Ohr und bleibt. Und bleibt. Bleibt. Und doch lassen einige der 11 Songs die Verspieltheit und den kauzigen Spirit des Debüts vermissen. I gotta move, ein eher älterer Song Kwellers, klingt mittlerweile einfach überholt und gefällig. Die Midtempo Schnulze Red Eye langweilt nur, obwohl er sich hier endlich auch mal lyrisch ein wenig anspruchsvoller präsentiert. Mit This is war will er dann nochmal abrocken, was ein wenig aus dem musikalischen Rahmen fällt und gewollt klingt.

Somit ist Ben Kweller ein besseres Durchschnittspopalbum gelungen, keines für ewige Zeiten, aber eins mit Melodie, keines der großen Worte, aber eins mit Haltung. Und Haltung sucht man heute doch oft vergebens. (Nicholas Hessenkamp)

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