Christian Kjellvander – Faya



Wo auch immer man nun schwedische Musik platzieren möchte. Christian Kjellvander klingt nicht nach ihr. Hätten wir nicht Kristofer Åström und die früheren Stücke Kjellvanders, dann würde Faya wohl unser musikalisches Weltbild völlig verdrehen.

Doch man weiß es ja anno 2006 besser. Britpop muss nicht unbedingt von der Insel kommen und Americana ist längst nicht nur etwas für Amerikaner. Es wächst zusammen, was zusammengehört. So war es bereits 2003, als Christian Kjellvander nach dem Ende der Loosegoats mit seinem Solodebüt Songs From A Two Room Chapel auch abseits der Heimat Gehör fand. Drei Jahre und eine Best-Of-Compilation der früheren Songs später steht er wieder vor unserer Tür.

Die warme Stimme, ein sanftes Gitarrenspiel und die Atmosphäre sind bei seinem zweiten Soloalbum sofort zur Stelle. Ein regnerisch ruhiger Autoausflug durch Wiesen, verlassene Dörfer und Täler wird das. Große Vorfreude. Der Wagen ist vollgetankt und Christian Kjellvander als Fahrer kennt die schönsten Strecken und wird wieder weite Umwege fahren, um uns einige Geschichten von Liebe, Trauer und Sehnsucht zu erzählen. Jawohl!

Doch dann will der Wagen nicht anspringen. Das Intro und der Reverse Traverse Blues stocken und wollen nicht so wirklich zünden. Erst bei Drunken Hands startet die Reise so richtig. Am Ende des Stücks läßt Kjellvander sogar die Hände vom Lenkrad und rockt aus Freude los. Nach und nach läuft es doch wie am Schnürchen. Das sphärische Instrumental Dreadful (Isn´t It) leitet die erhofften Höhepunkte der Reise ein. Foreign Rain und Silver & Blue Line heißen die beiden Songs und münden in einem ruhigen Gitarrenpicking, das jedes Herz in Stücke reißt. Unterwegs steigt der Cardigan Nina Persson auf den Rücksitz und Christian läßt die Schönheit mitsingen, für deren Band er zeitweise als Support spielte, um ihren Gesang dann in einem Sturm zu ertränken und den Wagen daraufhin im letzten Stück ruhig ausrollen zu lassen.

Fazit: Christian Kjellvander liefert wieder eine atmosphärisch dichte und ruhige Platte ab, die an diverse Americana-Vorbilder erinnert und trotzdem überaus selbstständig wirkt. Dass die Songs wieder nur zur Hälfte entzücken, sei ihm auch diesmal verziehen.
[Sebastian Jegorow]

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