The Album Leaf – Into The Blue Again



Es gibt Dinge auf die man sich immer verlassen kann. Morgens geht die Sonne auf, Abends geht sie unter, dazwischen landet Pete Doherty im Gefängnis oder der Entzugsklinik und der Nachbar kommt um Mitternacht torkelnd nach Hause, brüllt nach seiner alten Liebe und kickt den zusammengeklebten Gartenzwerg gegen die Wand.

Da kannst du fast die Uhr nach stellen. Eben so ein Urvertrauen konnte man bisher in die Qualität der Veröffentlichungen des Kanadiers Jimmy LaValle haben, der mit seinem Projekt The Album Leaf musikalisch Island ganz nah an Kanada brachte. Die neue Platte Into The Blue Again wurde wieder von Birgir Jon Birgisson produziert und soll wieder auf die üblichen Stärken setzen. Alles beim Alten eben. Doch was macht man, wenn die Sonne irgendwo stecken bleibt, Pete Doherty clean wird oder ein Album von The Album Leaf nicht so recht gefallen will?

Doch noch ist es da. Das Vertrauen in die alten Gewohnheiten. Nach dem Betätigen der Play-Taste folgt auch die übliche Stille, die Zweifel am Batteriestand des Discmans aufkommen läßt, und dann ist da auch die kleine Flamme, die sich langsam zu einem Feuer aufbaut und in einer finalen Umarmung mündet. Der Opener The Light ist tatsächlich das erhoffte Wiedersehen mit dem Freund, den man so sehr vermisst hat. In den folgenden knapp 50 Minuten kommen jedoch vermehrt die Zweifel. Da wären Stücke wie Shine, denen schlicht die zündende Idee fehlt. Keine überraschenden Einfälle, keine Monster, die den müde werdenden Hörer zusammenschrecken lassen. Stück für Stück verschiebt man seine Hoffnung auf bessere Zeiten.

Stattdessen gibt es jedoch recht lieblos zusammengemixten The Album Leaf-Klangbrei. Natürlich klingt dieser wohlig warm, entspannend und ist ein wunderbarer Soundtrack für den Alltag oder Tante Ruths Yogatruppe. Ein beruhigender Klangteppich, auf dem Jimmy LaValle immer wieder leises Getucker und sanfte Melodieansätze ausbreitet. Das große Interesse weckt er diesmal jedoch nicht wirklich. Was auf den Vorgängern und der tollen Sea Beach-EP am laufenden Band gelang, wird hier im wahrsten Sinne des Wortes zum Glückstreffer. Ob’s nun an Jimmy LaValles Alleingang bei den Aufnahmen der Platte liegt oder am schlichten Ideenmangel, spielt dabei keine Rolle. Übrig bleiben letztlich The Light, Into The Sea und Broken Arrow, die den durchschnittlichen Rest mit all ihrer Liebe fest umklammern. Und eben die Angst, dass die Sache mit der Sonne auch mal in die Hose gehen könnte.

War In A Safe Place noch die spannende Landschaft als Zufluchtspunkt, so ist Into The Blue Again über weite Strecken nichts mehr als ein gemütlicher Sonntagsausflug.
[Sebastian Jegorow]

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