Sufjan Stevens



Sufjan Stevens ist ein 31jähriger Songwriter mit einem großen Vorhaben. Der talentierte Musiker möchte jeden der 50 US-Staaten musikalisch vertonen. Ein mutiger Plan. Vielleicht schon eine Mission Impossible. Doch der Weg zum Ziel klingt wunderschön..

Sufjan Stevens wurde am 1. Juli 1975 in Detroit geboren und verbrachte einen großen Teil seiner Jugend in Michigan. Nach seinem Umzug nach New York nahm er das Album A Sun Came auf und veröffentlichte 2001 den Longplayer Enjoy Your Rabbitt, auf dem er sich inhaltlich mit dem chinesischen Horoskop beschäftigte. Er interessiert sich für Photographie, Grafik-Design, Kunst und sammelt Briefmarken. Klingt ja an sich bisher recht öde. Und genau dieser schmächtige Amerikaner hat eines der ambitioniertesten Ziele der Musikgeschichte in´s Auge gefasst. Er möchte mal so eben im Laufe seiner Karriere jedem US-Staat ein Album widmen. Um es einmal in Zahlen zu fassen bedeutet dies insgesamt 50 Konzeptalben im Laufe eines einzelnen Lebens. Und auch wenn das Vorhaben fast schon utopisch klingt, traut man dem Songwriter ein Gelingen des Mammutprojekts durchaus zu. Schließlich scheint er jede Sekunde seines Lebens und jede Wahrnehmung in einen zauberhaften Song umwandeln zu können und geht mit der knappen Zeit sehr selbstbewußt und großzügig um.

Anstatt die US-Staaten im Rekordtempo abzuarbeiten und mit Füllmaterial vollzupacken, widmet er sich mit einer penetranten Perfektion jedem Staat ausführlich, sammelt Geschichten, Informationen, packt die Alben schließlich bis zum Rand voll mit seinen Entdeckungen und findet zwischendurch noch Zeit mit „Seven Swans“ eines seiner besten Alben soweit aufzunehmen und dieses abseits des US-Projekts zu verorten.

Seine Auftritte sind oftmals ebenso skurril und schrill wie seine Songs. Da treffen wir immer wieder auf alte Bekannte, die uns schon in den Songs bezaubert haben. Und immer mit dabei ist die kleine süße Melodie, die irgendwo im Hintergrund nach Aufmerksamkeit schreit. Man benötigt hin und wieder viel Geduld, um diese Melodie zu finden und durch die komplexen Berge an Anekdoten und Klängen durchzusteigen, doch genau diese Entdeckungsfahrt bereitet den größten Spaß an Sufjan Stevens Musik, die alles andere als der übliche Songwriter-Folk ist. Für den musikalischen Hintergrund seiner meist sanften Songs verwendet er alle möglichen mehr oder weniger exotischen Instrumente, die er zum Großteil selbst einspielt.

Das Erste der beiden bisherigen US-Konzeptalben widmete er seiner Heimat Michigan. Auf Greetings From Michigan: The Great Lake State finden wir zahlreiche persönliche Geschichten aus seiner Jugend und Mythen, die ihn in Michigan begleitet haben. Und auch Illinois, der zweite verarbeitete US-Staat wird in all seiner Pracht gewürdigt. Come On Feel The Illinoise ist bei einer Länge von 74 Minuten voll mit Anspielungen, Geschichten und Begegnungen. So singt er Geschichten über Serienkiller oder Anekdoten aus dem eigenen Leben und läßt keinen Zweifel an seinem großen Talent aufkommen.

Sufjan Stevens neuestes Baby The Avalanche dürfte sich irgendwo am Rande des Projekts – direkt neben Illinoise – am wohlsten fühlen. Schließlich besteht es aus unveröffentlichten Songs der Illinoise-Sessions und gehört indirekt mit zum Projekt. Dass die 21 Stücke auf The Avalanche sich keinesfalls zu verstecken brauchen, beweist bereits der Opener The Avalanche und das darauf folgende Dear Mr. Supercomputer. Kunterbunt, märchenhaft und bezaubernd wie immer besingt er diverse Phänomene des Staates Illinois, die auf Come On Feel The Illinoise keinen Platz mehr fanden. Als Highlight sticht dabei insbesondere Springfield, or Bobby Got A Shadfly Caught In His Hair hervor und verwirrt zwischenzeitlich mit einem schrägen Gitarrensolo. Lediglich die 3 Fassungen des alten Songs Chicago wirken recht überflüssig und erinnern an Resteverwertung. Der Rest könnte jedoch ebenso auf dem tatsächlichen Illinois(e) Platz finden.

Die Tatsache, dass dem Amerikaner noch 48 Alben bis zur Vollendung seines Vorhabens fehlen sorgt für leichtes Schmunzeln. Zugleich bringt es jedoch große Vorfreude auf den nächsten US-Staat, der vermutlich in einem Jahr vertont im CD-Regal stehen wird. Bis dahin bleiben einem sicherlich noch hunderte von kleinen Anspielungen und tollen Stellen, die auf den bisherigen Alben von Sufjan Stevens entdeckt werden möchten.. (Sebastian Jegorow)

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