Kante – Die Tiere sind unruhig


Am Anfang steht Verwirrung: Habe ich grad eine Kante- oder eine Blumfeld-CD in den Player gelegt? Und Enttäuschung: Habe ich grad eine Kante- oder eine Madsen-CD in den Player gelegt? Darauf folgt Empörung: Brauchen wir noch ein Lied über symbolisch aufgeladenes Gewitter? Ich könnte auf Anhieb drei „neue deutsche Poprock Bands“ nennen, die in den letzten drei Jahren Ähnliches veröffentlicht haben.
Pause.

„Erstmal sacken lassen!“ sagt die Vernunft. „Beim zweiten Durchlauf klingt es schon ganz anders!“ – „Ich mag aber keine Alben, die erst beim zweiten Hören gut klingen!“ sage ich. „Ich will etwas, das mich begeistert, und zwar sofort!“. Doch auch der zweite Titel, Ich hab’s gesehen, scheint nicht mehr als bereits abgegraste Metaphern im Popsong-Format zu bergen. Vom dritten ganz zu schweigen – Ist das noch die gleiche Kante, die ich kannte?! frag ich mich. Hat sie sich über die letzten drei Alben, die doch weitaus komplexer und, naja, durchdachter klangen, glatt geschliffen? Dieses Album bietet auf jeden Fall deutlich gegenständlichere Texte und bisher nicht die typischen reinen Instrumental Tracks. – Doch vielleicht sollte ich das auch nicht erwarten. Man kann ja nicht immer intellektuell sein, und man kann ja auch nicht immer das Gleiche machen.

Außerdem ist es bei der anhaltenden Flut an deutschen Popbands wahrlich schwer, immer wieder in Erstaunen zu versetzen. So haben auch Kante, sonst für ihre Schwermütigkeit bekannt, einen Partysong geschrieben: Die grösste Party der Geschichte, die mit karibischen Klängen eingeläutet wird, später auf Hiphop umsteigt, um schließlich mit jazzigen Saxophontönen unter Publikumsgejohle auszuklingen! Doch ganz so platt-hedonistisch ist die Geschichte doch nicht – die Party findet offenbar in der Hölle statt, zu der der Türsteher den Zuspätkommern keinen Zutritt gewährt, weil es dort schon überfüllt ist. Die Band kann sich einen gewissen morbiden Charme erhalten Die Wahrheit erinnert dann mit ihren rockenden Gitarren im Vordergrund, dem daruntergelegten Riff und dem rotzig ehrlichen Text sogar ein wenig an die frühen Oasis. Und spätestens beim sechsten Titel von Die Tiere sind unruhig kommt auch der Fan der experimentellen Instrumentalstücke von Kante auf seine Kosten! Bläser, Klavier, Bongos – alles dabei und im geliebten verträumt-schrägen Stil serviert. Da ist man dann nur traurig, dass das Album nach dem siebten Titel bereits zu Ende ist.

Mit Die Hitze dauert an schließt sich allerdings ein Kreis, der das Thema „Wetter“ zum Zentrum hat. Man kann die Hunde förmlich auf dem glühenden Asphalt träge vor sich hin siechen sehen. Ob man das Album nun als ein Konzeptalbum auffasst, das sich mit dem Unbehagen über die nicht stattfindende politische Veränderung befasst, als eine moderne Fabel über das Befinden von Großstadt-Singles, die für ein paar Wochen im Sommer eine Affäre haben, als eine naturalistische Klangmalerei, ein Appell an das Wesentliche oder was auch immer, das bleibt jedem selbst überlassen.

Mir gefällt jedenfalls die Idee des Konzeptalbums. Und alles in allem muss ich sagen, wenn ich dies auch nicht für das größte Kante-Album halte, die Marke „Kante“ hält am Ende doch einigermaßen, was sie verspricht. Alles ist da, nichts geht verloren Zusatz. Dass mich die Musik anfangs so extrem an Blumfeld erinnert hat, kann auch daran liegen, dass der Sänger von Kante einige Zeit lang Bassist von Blumfeld war.

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