Böse Zellen


Böse Zellen

Die Freundinnen Manu und Andrea fahren in die Diskothek. Während Andrea noch länger bleiben möchte, fährt Manu, die bereits sechs Jahre zuvor einen Flugzeugabsturz überlebt hat, nach Hause und stirbt bei einem Zusammenprall mit einem Wagen voller Jugendlicher. Dies ist der Moment an dem die Handlungsstränge in Barbara Alberts zweiten Film „Böse Zellen“ zusammentreffen.

Das mag zunächst an das großartige Amores Perros und 21 Grams von Alejandro González Inárritu oder an so einige andere Filme der letzten 10 Jahre erinnern.
In dem Fall ist der Moment lediglich ein Ausgangs- und Verknüpfungs-Punkt. Im Zentrum steht der Umgang der Menschen mit ihrer Situation und ihr Wesen. Während Andrea sich nach dem Unfall in Manus Mann verliebt, versucht einer der Jugendlichen mit seiner Schuld am Autounfall und der daraus resultierenden Lähmung seiner Freundin umzugehen. Neben den zentralen Handlungsträngen strotzt der Film nur vor anderen Figuren, deren Leben, Wesen und Schicksal kurz im vorbeifahren mit all ihren Makeln dargestellt wird. Insbesondere die gutherzige einsame Belinda wächst dem Zuschauer bei ihren späten Gehversuchen in der Gesellschaft ans Herz.

Barbara Albert schafft es in ihrem Film, ähnlich wie Ang Lee im legendären Eissturm, ihre verletzlichen Figuren dabei teilweise auf brutalste Weise zu entblößen, gerade damit ihre Menschlichkeit in den Vordergrund zu rücken. Dabei verfällt sie ausgesprochen selten in Klischees und geht ihren eigenen Weg. Der Suchscheinwerfer kreist ständig um die Rahmenhandlung und zentriert episodenhaft die einzelnen Charaktere, deren Ängste, Liebe und Sehnsüchte dann durch das Handeln bis auf das Innerste offenbart werden. Der düstere, kalte Grundton des Films wird in einzelnen Momenten der Schönheit und Hoffnung immer wieder aufgehoben.
Böse Zellen
Die unerfahrenen Schauspieler schaffen es größtenteils die Figuren sehr glaubhaft darzustellen. Dabei erfüllen sie nicht unbedingt die Schönheitsideale Hollywoods, was den Film jedoch noch glaubwürdiger macht und im Zusammenhang mit den gewählten Bildern und Tönen so etwas wie eine eigene Ästhetik entwickelt. Kein übertriebenes Independentgehabe, sondern das echte Leben sorgen für Authentizität. Auf dem Weg in die Dorfdisco singen die beiden Freundinnen Manu und Andrea zu Take On Me im Radio und wirken dabei alles andere als fesch. In einer anderen Szene hat ein Vertreter Sex mit Andrea und geht dabei sehr brutal und dominant mit ihr um, um kurze Zeit später verletzt auf dem Bett zu liegen und den Kopf im Kissen zu verstecken. Zwei Szenen, die Barbara Alberts Arbeit sehr gut represäntieren.

„Böse Zellen“ zeigt uns ein Mosaik aus scheinbar unwichtigen Existenzen auf der Suche nach ihrem Glück, das uns schonungslos aufzeigt wie brutal, ironisch, tragisch und wunderschön das Leben ist. Die bösen Zellen, die überall lauern werden für wenige sanfte Augenblicke der Wahrheit zerstört. (Sebastian Jegorow)

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