Pelle Carlberg – Everything Now!


Eigentlich ist Easy Listening ja gar nicht so meine Musikrichtung. Das ist nämlich die Kategorie, in die ich Pelle Carlberg beim ersten Hören gesteckt hatte. Ich dachte an Burt Bacharach und Simon And Garfunkel. Doch so einfach sollte man das Album des charmanten Schweden nicht beiseite schieben, wurde mir nahe gelegt, denn dann entgingen einem einige Momente wunderbarer Popmusik! Also höre ich mir Everything. Now! noch einmal an.

Zunächst springt mir die Vorabveröffentlichung Go To Hell, Miss Rydell in die Ohren. Ja, was singt denn der da eigentlich? wundere ich mich, als ich anfange auf den Text zu hören. In diesem Stück ergibt sich eine wundervolle Disharmonie zwischen Text und Musik – mit sanfter Ironie und noch sanfterer Melodie schickt Pelle Carlberg die schwedische Musikjournalistin Malena Rydell in die Hölle, weil diese sich abwertend über seine vorige Band Edson geäußert hatte. Und was ist das im Hintergrund? überrascht es mich erneut. Zum Refrain ertönen Backing Vocals, die ein Schlagzeug zu imitieren scheinen: bumm-bumm–bumm-bumm–bumm-bumm–bumm! Das spärlich instrumentierte Album weist noch weitere Schokoladenstücke dieser Art auf. Gleich der nächste Titel, Riverbank, beginnt mit einem eingängigen dü-dü–dü-dü-dü-dü-dü–dü-dü, bevor Pelle Carlberg uns fröhlich erzählt, er habe sein Geld in den Fluss geworfen. Yeah! Wer braucht schon Geld, wenn er Musik wie diese hat, die einen ganz nebenbei glücklich macht, ohne dass es einem bewusst auffällt?! Mut machen tut sie außerdem noch, indem uns in How I Broke My Foot And Met Jesus ganz locker versichert wird, alles sei halb so schlimm. Und wer muss nicht grinsen, wenn Pelle Carlberg in Telemarketing sein Leid darüber klagt, dass er immer wieder Artikel kauft, die ihm am Telefon angeboten werden – einfach aus dem Grunde, dass er zu den netten Stimmen nicht nein sagen kann?! Aber erst die Töne auf diesem Album! Klingt da in Bastards Don’t Blush nicht ein Xylophon? An anderer Stelle entdeckt man Tamburin oder Händeklatschen. Und am Ende von Summer Of ’69 hört man eine Kinderstimme mitsingen. Vielleicht eins von den eigenen Kindern des Familienmenschen Pelle Carlberg…

Es sind simple Arrangements, die Pelle Carlberg verwendet und ganz alltägliche Geschichten, von denen er erzählt. Doch trotzdem oder gerade deswegen wirkt dieses Album so sympathisch. Dieser Schwede tut nicht nur freundlich, er ist es wirklich! Everything. Now! ist genau das Album, das man dabei haben sollte, wenn man an einem warmen Frühlingsnachmittag irgendwo auf einer Wiese in der Sonne sitzt und sich des Lebens freut.

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