Lee Buddah


Lee Buddah

In seiner Vergangenheit wurde der Dortmunder/Berliner Philip Stegers alias Lee Buddah am ehesten mit dem Hip Hop in Verbindung gebracht. Auf seinem neuesten Album entfernt er sich jedoch endgültig vom Hip Hop Genre und gibt sich mehr denn je als Geschichtenerzähler der alten Schule.

Heute feiert Lee Buddah so etwas wie ein Heimspiel in der kleinen gemütlichen Hafenschänke Subrosa, die nicht weit von seiner Dachgeschosswohnung entfernt liegt, in der er sein aktuelles Album Frühjahrschronik innerhalb von zwei Jahren einspielte. Music made in den eigenen vier Wänden. Zwischen Sessel und Waschbecken sozusagen. Und nach diesem Zuhause klingt ein Großteil der Platte ebenfalls. Die Stücke klingen nach klassischem Songwriting und stecken voller kleiner Erinnerungen, die textlich jedoch auf das fiktive Pärchen Andy und Julia projiziert werden. Alle zusammen ergeben letztlich ein liebevolles kleines Konzeptalbum zum Thema Beziehungsende. Mit dabei ist natürlich alles was dazugehört: Erinnerungen an die schönen Momente, nervige Freunde, Enttäuschung, Trennungsangst und die Nostalgie alter Briefe. Auf die Frage, ob die Frühjahrschronik von Anfang an als Konzeptlbum gedacht war, sagt Lee Buddah: „Nein, gar nicht. Das kristallisierte sich erst während der Aufnahmen heraus. Der Begriff „Konzeptalbum“ ist ja auch nicht gerade einer, der nach Coolness schreit.

Ich muss dabei immer gleich an einen Haufen überladener 70’s Bombastrock-Alben denken. Deswegen ist der Begriff auch nur mit Vorsicht zu geniessen. Mir war es nur wichtig klarzumachen, das Frühjahrschronik ein thematisch geschlossenes Album über die Zeit nach der Liebe ist. Das es mit der Frühjahrschronik so lange gedauert hat, hängt mit den Soundtrackarbeiten für mehrere Filme, sowie die Mitarbeit an den Alben anderer Künstler, wie z.B. Fink zusammen.“
Lee Buddah
Die lange Arbeit an dem Album scheint sich tatsächlich gelohnt zu haben. Immerhin gelingt es dem Joni MItchell, Kraftwerk und Beastie Boys Fan, der momentan am liebsten Alison Krauss & Union Station, Ben Folds und die Soundtracks von Phillip Glass hört, mit der Frühjahrschronik ein Album abzuliefern, auf dem er insbesondere mit Daunenkissen, Andy, Julia und dem schönen Titelsong zahlreiche Highlights hinzaubert. Nachdem der Musiker bereits in seiner Vergangenheit nicht so recht in das Bild der Hip Hop Szene passen wollte und stets abseits aller Genres für sich und seine Fans musizierte, scheinen die Tage, in denen er mit Hip Hop in Verbindung gebracht wird, entgültig gezählt. Auf dem neuen Album gibt es ausschließlich klassische Arrangements mit Akustikgitarre und schlichter Bandbegleitung zu hören, und dieser Look steht den Songs tatsächlich überaus gut. Die Entwicklung habe sich eigentlich schleichend seit seines ersten Albums vollzogen. Dies hänge auch sicher damit zusammen, dass er mittlerweise viel lieber Songs auf der Gitarre schreibe, als vor dem Computermonitor zu sitzen, um da kleine Balken von links nach rechts zu schieben.

Am Ende des Albums finden wir eine chillige Bossa Version seines alten Songs Drei Wünsche, der ebenfalls auf dem Soundtrack zum Film Nichts Bereuen zu finden war. Regisseur Benjamin Quabeck, mit dem Phillip befreundet ist, habe sich irgendwann bei ihm gemeldet und ihn gefragt, ob er sich vorstellen könnte für Nichts Bereuen die Musik zu machen. Neben seines Soundtrackbeitrags zu Nichts Bereuen kam es zuletzt zu einer Zusammenarbeit, bei der Quabeck den Clip zur aktuellen Lee Buddah Single „Daunenkissen“ drehte. Auch auf der Bühne gibt sich Lee Buddah stärker denn je als klassischer Songwriter. Ob nun solo oder in Begleitung seiner Band, die Akustikgitarre und Mundharmonika gehören inzwischen zu seiner festen Ausrüstung. Statt einer Bassgitarre kommt sogar ein richtiges Kontrabass zum Einsatz. Die Umsetzung der neuen Stücke gelingt ihm ebenso wie die der alten Songs. Hier und da streut er sogar noch ein kleines skurriles Cover ein wie Mias Hungriges Herz.

Auf dem Rückweg ziehen sie alle an einem vorbei. Die Schauplätze seines Videos zu
Jung, dumm und glücklich. Die Kampstraße, der Dortmunder Hafen und letztlich auch der kleine Club Cosmotopia, in dem der Abend zur Nacht wird. Nach seinem Umzug nach Berlin kann all dies nur bedingt als seine Heimat bezeichnet werden. Das Ruhrgebiet sei jedoch immernoch die Region, in der er sich am meisten wohl fühle. Heimat sei für ihn immer der Ort, an dem man sich wohl fühlt, weil dort Menschen wohnen, die einen verstehen. Als tatsächliche Heimat bezeichnet er im Moment am ehesten den ICE oder die Autobahn. Na dann, gute Reise. Wohin auch immer. Die Richtung scheint zu stimmen. (Sebastian Jegorow)

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