DJ Koze aka Adolf Noise – Wo die Rammelwolle fliegt


DJ Koze aka Adolf Noise - Wo die Rammelwolle fliegt

„Denn die Mutter von allem heißt Musik! Und Mutter hat immer Recht!!!“ hieß es noch noch zu Lebzeiten der Fischmobber. Seit dem Ende von Fischmob läßt DJ Koze in diversen Projekten seiner Kreativität freien lauf. Als Paradebeispiel dient wohl am besten die Platte aus dem Jahre 2005, auf der sich Koze alias Mama Noise mächtig austobt.

Und er hat den Hörer bereits nach den ersten paar Minuten in der Tasche. Da bastelt er doch glatt aus einem RTL-Bericht über Gunther Gabriels Skandalauftritt im Osten Deutschlands eine chillige Nummer, die nicht nur aufgrund der amüsanten Herangehensweise zu gefallen weiß. Die folgenden Stücke kurz zusammengefasst: ein Ambiente-Track über Umwelt, ein Zwerg auf Acid singt voller Herzblut die Worte „ich war mit dir auf dem Gymnasium“, ein Remix von Tocotronics „Jackpot“, ein Kind singt einen Song von Outkast, Samples über Samples.

„Da wo die Rammelwolle fliegt“ klingt über weite Strecken sehr wirsch und erinnert an das Ergebnis eines verspielten Kindes, das sich auf einem musikalischen Spielplatz austobt und nun wirklich alles ausprobiert. Das war DJ Koze aber doch immer, egal ob mit International Pony, bei Fischmob oder unterwegs als DJ. Ein verspieltes Kind mit viel Gefühl für den richtigen Ton und einer großen Ladung Humor. Etwa 30 Minuten Klangwelt weiter philosophiert Dittsche, in einem sanften Nostalgieteppich eingehüllt, melancholisch über Zeit. Dann kommen die Wellen, langsam erscheinen Kinder die den „Sandmann“ besingen, das Herz schlägt und alles ist gut. Ganz ganz ganz am Ende covert er noch als 36-Mann Chor „We are the World“, aber das ist eine ganz andere Geschichte.

„Wo die Rammelwolle fliegt“ ist eine bunte Ansammlung an skurillen und atmosphärischen Sounds, die an manchen Stellen nach Füllmaterial klingt, insgesamt jedoch wieder einmal der perfekte Beweis für DJ Kozes unschlagbare Fähigkeit ist, sich über Genregrenzen hinwegzusehen, unsere Definition von Musik in etwa hundert Teile zu sprengen und sie neu zusammenzufügen…Denn die utter von allem heißt Musik! Und Mutter hat immer Recht!!! (Sebastian Jegorow)

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