Clogs – Lantern


Clogs

Padma Newsome. Das erste Mal, als ich diesen Namen las, dachte ich: „Aha, auch diese Band (The National) hat also eine Frau? Mit einer Geige, soso, und wahrscheinlich, so wie es ja bei Rockbandgeigern meistens ist, mit relativ rudimentären Kenntnissen darin ausgestattet, das Ding zu spielen.“ Hut ab vor so viel Lackaffigkeit und vorfertig verurteilender chauvinistischer Ignoranz.

Dass Padma Newsome eigentlich ein Herr und keine Dame ist, merkte ich dann spätestens bei den ersten, im Überschwang der (übrigens anhaltenden) Begeisterung für das aktuelle The National Album Alligator. Für die Erkenntnis, dass der Mann ebensowenig ein Dilettant ist, braucht auch ein klassisch ungebildeter Hörer wie ich nicht merklich länger, seine Arbeit für The National spricht ja schließlich Bände.

Newsome ist aber kein Begleitmusiker, Lückenfüller, Takt-für-andere-Halter oder sonstiges, was die verächtliche Mundart der Musikkritik über die Jahre schon hervorgebracht hat. In der Hauptsache ist der Australier Newsome nämlich Komponist. Seine Stücke werden mit Clogs realisiert, bei denen mit Gitarrist Bryce Dessner ein weiterer bekannter Name aus der National-Sphäre genannt werden kann. Was sind Clogs, ist jetzt die Frage? Ist das noch Pop, Postrock, oder Klassik oder was? Der ein oder andere versucht jetzt mit Sicherheit der Band ein leises Klischee der Mittelalter-Verbundenheit anhaften zu lassen, aber Clogs klingen nunmal einfach nicht so wirklich nach Elfenkäse, Loreena McKennitt oder altrosa Rüschenleibchen. Dafür ist das transportierte Gefühl zu unpathetisch und bei weitem nicht mit einer so dicken Schicht instrumentaler Butter bestrichen, Kapsburger, der Opener, wird ja einzig von einer einsamen Mandoline bestritten und braucht auch nicht mehr.

Ab diesem Stück war es alles andere als ein Kampf mit der Platte zurecht zu kommen. Sie ist nicht leicht, nicht sehr eingängig (obwohl sie im direkten Vergleich zum Vorgänger Stick Music ein ganzes Pfund weniger Verzweiflung zu verarbeiten scheint), sondern gewinnt vor allem durch ihre unaufdringliche Schönheit, die ohne feierlichen Glanz auskommt und ohne den Anspruch, in ein zeitgenössisches Schema zu passen. Dadurch wirkt sie ernstzunehmender und vor allem auch zeitloser als so manch anderes Werk, das derzeit lieblos und wider besseren Wissens in die Indie-Schublade gequetscht wird.

Allein der Titeltrack, ein bescheidenes, leises Meisterstück – das einzige mit Gesang übrigens – schafft es mit Sicherheit den Hörer für lange Zeit zu fesseln (daran, dass ich es gleich beim ersten Mal sechsfach hintereinander gehört habe, erkenne ich Faszination meinerseits ziemlich treffsicher. Andere bekommen das möglicherweise auch anders hin). Ein offenes Ohr immer vorausgesetzt, denn mit der Erwartung von Clogs (ein Wort, das ein Paar leidlich modische Holzschuhe bezeichnet) ein leichtverdauliches Frühstücksradio-Album vorgesetzt zu bekommen wird man möglicherweise enttäuscht. Aber wer will auch schon so etwas, wenn Komplexität in einem so schönem Kleid daherkommt? Light me a lantern! (Markus Steidl)

Hinterlasse einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.