Casiotone for the Painfully Alone – Etiquette


Casiotone for the Painfully Alone - Etiquette

Owen Ashworth ist 28, trägt Chucks unter fürderhin recht unauffälligen schwarzen Jeans und hat einen Bart, gegen den meiner aussieht wie der gescheiterte Versuch eines Siebzehnjährigen, bei den Mädels besser anzukommen. Besonderer Augenmerk sollte hierbei tatsächlich auf der Adjektivierung „gescheitert“ liegen. In meiner schwärmerischen, oberflächlichen und vorurteilenden Art reicht mir das eigentlich schon aus, um dem Mann Sympathie entgegenbringen zu können. Ob sich die auch hält, sehe ich meistens immer erst im Laufe des Kennenlernens.

Als Student an einer Filmschule lernt man mit Sicherheit diverse Möglichkeiten des Geschichtenerzählens, ein Talent, das man Ashworth schon nach den ersten paar Reinhörversuchen nicht mehr absprechen kann. Günstig transportiert werden diese Geschichten von seiner narrativen, brummeligen Art zu singen. Man würde gern mal mit ihm Kaffee trinken.

Oder Schnaps. Aber da er nun einmal zu weit weg wohnt, muss man sich aufs gerne Hören beschränken. Das geht insofern auch ganz toll, als dass der Name nicht mehr Programm ist. Der ausschließliche Einsatz eines Casio-Keyboards für die Arrangements ist einer breiteren Instrumentalisierung gewichen. Und ob er das jetzt früher nie gemacht hat oder das bei den elektronischen Instrumenten nach dem „Kennste eins, kennste alle“-Prinzip funktioniert, also die Kenntnis der Funktionsweise eines 20-cm langen Casiobretts einem auch den Diplomshut in Cubase VST oder sowas aufsetzt, ist ja irgendwie hundsmäßig egal. Weil das, was er da macht, der Ashworth, toll ist. Es ist traurig, aber nicht Gerhard-Hauptmann-traurig, sondern eher traurig, wie einer, dessen freier Tag der einzig regnerische der Woche ist, und der am Morgen seinen Kaffee verschüttet, nachdem ihm der Blick aus dem Fenster offenbart hat, dass er am Abend zuvor das Schiebedach seines Autos offengelassen hat. Es ist eine große Portion manchmal recht schmerzhafter Ironie im Spiel, wenn er fragt „Don’t they have payphones wherever you were last night?.“

Das Rad neu erfunden hat er nicht. Aber den Anspruch stellt er auch, hörbar, nicht an sich. Geschichten erzählt er. Ziemlich gute. Und das macht ihn sympathisch und bewundernswert. Mehr verlange ich überhaupt nicht. (Markus Steidl)

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