The White Stripes – Get Behind Me Satan



Was könnte man von dem Nachfolger zum Elephant Megaseller vorab erwarten? Der Alptraum des Stripes-Fans ist wohl ein Album mit zehn unterschiedlichen Varianten der Seven Nation Army und zwei Akustiktracks, die den Mangel an Kreativität überdecken sollen. Doch irgendwie kann man sich ein uninspiriertes 08/15 Album der seltsamen White Geschwister kaum vorstellen, und so glauben wir beim Einlegen des inzwischen fünften Albums der White Stripes immer noch an das Gute.

Lautes Rumpeln als Metrum und ein überaus prägnantes Riff geben beim Opener Blue Orchid wieder die Tanzrichtung an. Da dürften die Club-DJs der Welt beim Gedanken an die Nachtschwärmer, die mit ihren weiß-roten Buttons über die Tanzflächen fegen, strahlen. Also doch eine Platte voller Seven Nation Armies?

Die Überraschung und Belehrung folgt direkt mit The Nurse. Marimbaklänge und der typische Rock scheinen dabei gegeneinander zu kämpfen und umarmen sich dann doch irgendwie. Das klingt schräg, gefällt jedoch trotzdem. Das gleiche gilt für das überaus großartige My Doorbell, bei dem der Gesang fast schon an einen Rap grenzt. Die beiden Geschwister schlagen auch auf dem Rest der Platte wieder allerlei Schlenker und überraschen den Hörer dabei immer wieder auf´s Neue. Dabei schwanken die White Stripes zwischen großen Rockgesten, dreckigem Blues-Rock und schlichten Folkskizzen.

Das treibende Instrument ist diesmal das Klavier, das einen Großteil der Songs begleitet. Mit Red Rain und Instinct Blues bekommen auch die Fans erster Stunde Highlights, die an De Stijl erinnern. Hier und da fliegt ein Song, wie das eintönige Forever To Her, ins Wasser. Der Großteil schafft es jedoch die Euphorie wieder aufkommen zu lassen, die uns dazu bringt unsere Zimmerwände mit roter, weißer und schwarzer Farbe anzumalen.

Auch wenn Get Behind Me Satan den Experimentierbogen zeitweise überspannt und zwei bis drei Durchschnittsnummern bietet, bleiben Jack und Meg die alten Spielkinder, die sich mit viel Geschick musikalisch mächtig austoben.
[Sebastian Jegorow]

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