The National – Alligator



The National bringen mit Alligator ihr inzwischen drittes Studioalbum heraus. Von den ersten Beiden haben wir leider kaum etwas mitbekommen. Für das Dritte haben die Amerikaner jedoch zumindest ein Denkmal und die folgende Liebeserklärung verdient.

Beim Auftakt des Songs Secret Meeting kentern The National den Körper des Hörers, kontrollieren von da an in jeder einzelnen Sekunde den Herzschlag und lassen längst versunkene Gefühle wieder aufkommen. Fast schon erbarmungslos wirkt diese Platte, die keine Sekunde verschnaufen läßt und den Konsumenten beim ersten Hören mit all Ihrer Schönheit fast schon erschlägt.

Die Band kommt aus New York. Eine Information, die nicht sonderlich überrascht. Das so oft gelobte düstere Feeling der New Yorker Interpol trifft bei „Alligator“ auf ein spannendes Songwriting, wie man es von Wilco oder Lambchop kennt. Die Stücke wirken wie im Widescreen und scheinen sich immer weiter auszubreiten. Matt Berningers Stimme erinnert insbesondere bei der Zeile „and so and now I’m sorry I missed you I had a secret meeting in the basement of my brain“ stark an Jeff Tweedy. Richtig lauten Rock, wie wir ihn aus den Indie-Clubs kennen, hört man nur bei der Single „Abel“ und dem letzten Track Mr.November. Bei diesen Songs wird dann eben auf voller Linie gerumpelt. Sonst ist es eher das „Quiet Is The New Loud“ Motto, das bei Alligator ein ganz neues Gesicht bekommt. Friend Of Mine, Looking For Astronauts, The Geese Of Beverly Road sind einige der Highlights, die allesamt introvertiert bleiben und einen trotzdem umhauen.

Alligator ist die Vertonung von Liebe und mit Abstand das größte und ausgereifteste Album, das wir in diesem Jahr soweit zu hören bekommen haben. Einziger Wehrmutstropfen: das Booklet fällt ohne Lyrics sehr schlicht aus und belohnt den Kauf nicht sonderlich, aber dafür ist die Musik da. Gott, diese Songs..Herz auf und rein damit!
[Sebastian Jegorow]

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