Paul Weller – As Is Now



Mit den Rocklegenden ist das so´ne Sache. Die einen löschen sich selbst aus, andere ruhen sich Jahrzente lang auf ihren Lorbeeren aus und ganz andere widerum entdecken sich immer wieder neu. Und was ist mit dem „Godfather Of Mod“? Ja nun, für Dinge wie Selbstzerstörung oder das penetrante Wiederholen der alten Hits im Stile eines Brian May hat Paul Weller zu viel Würde und für große Experimente ist er zu geradlinig.

Bleibt der einzig gute Weg. So bringt Paul Weller alle paar Jahre ein neues Album raus. Mal ist es ein großes Meisterwerk wie Wild Wood, mal ein überaus gutes Album wie Illumination und mal ein ödes Coveralbum, das ungefähr so spannend ist wie eine Curlingübertragung auf Eurosport. Nein, wir wollen hier keine Denkmalpflege betreiben. So verschweigen wir die Zweifel nicht, die angesichts der letzten Veröffentlichungen durchaus kamen. So ganz überzeugend war da nicht viel. Live sah die Sache immer wieder anders aus. Da wuchsen seine guten — und auch die weniger guten — Songs über sich hinaus. Da war er immernoch der souveräne Godfather, ließ seiner Band, sich und den Songs viel Raum zur Entfaltung und spielte sich regelmäßig in einen Rausch. Doch nun schlägt wieder die Stunde Null. As Is Now ist der Albumtitel und das Motto.

Zunächst klingt alles wie immer. Beim Opener herrscht keine Euphorie, jedoch immerhin große Zufriedenheit. Bei Paper Smile steigt die Spannung. Das klingt schon größer. Und dann jawohl! Die Klimax, der Wendepunkt, der Höhepunkt, der Orgasmus oder nenne es wie du willst. Paul Weller nennt es Come On / Let´s Go. 3 Minuten und 13 Sekunden lang ist er so jung, frisch und cool wie lange nicht mehr auf einem Longplayer. Da flutscht sogar die Zeile „Sing it little fuckers sing it like you´ve got no choice“ über seine Lippen. Und das tolle daran? Er meint es so und reißt uns endlich wieder richtig mit.

Den Rest als ein Absinken der Spannung zu bezeichnen, würde die restlichen Songs des Albums schmälern. Da hätten wir mit dem sanften The Starf Of Forever, das an Who Brings Joy erinnert, From The Floorboards Up und Bring Back The Funk, das wahrlich sein Versprechen hält, einige weitere Highlights. Hier und da schleicht sich immernoch ein typischer Weller-Filler ein, der weder Weh tut noch umhaut. Den Gesamteindruck schmälern diese Ausfälle nur bedingt.

Für Come On / Let´s Go gibt es die Höchstwertung mit Sternchen und Sonne. Und auch beim Rest herrscht, mal den ein oder anderen öden Song ausgenommen, größtenteils gewaltige Coolness. As Is Now ist mit Sicherheit kein neuer Meilenstein, aber immerhin das beste Weller Album seit Wild Wood.
[Sebastian Jegorow]

Hinterlasse einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.