Parov Stelar – Seven and Storm



Wenn Parov Stelar für den Soundtrack eines Films zuständig wäre, dann wäre es sicherlich einer dieser ruhigen Streifen, die wir so gern schauen.

Während das sphärische Seven, das an die seligen The Album Leaf erinnert, den Film einläutet, fährt die Kamera über eine Winterlandschaft. Irgendwo erscheint ein kleiner Punkt. Durch die Kamerafahrt nähern wir uns dem Punkt und erkennen darin einen gebrochenen Mann in einem schwarzen Wintermantel. In den folgenden 117 Minuten des Films wird uns der Regisseur näher bringen, warum sich der Mann in diesem kalten Nichts befindet. Vermutlich wird das ganze wieder einmal viel mit den typischen Leiden eines Helden der Postmoderne zu tun haben. Also Identitätssuche und all so Sachen.

Hinter dem Projekt Parov Stelar und dem dazugehörigen Label Etage Noir steht der Österreicher Marcus Füreder, der bereits mit seinem ersten Album Rough Cuts mit viel Erfolg versuchte Jazz an die moderne Musik anzunähern. Der Nachfolger Seven And Storm lebt von der düsteren Atmosphäre, die den Hörer bereits beim Opener in ihren Bann zieht und hin und wieder an eine jazzige Fassung von Portishead erinnert. Unterlegt wird all dies mit gelungenen Beats und Jazz-Rhythmen. Während es sich bei den beiden Titeltracks Seven und Storm um Instrumentals handelt, finden wir beim Rest der Platte immer wieder soulige Vocals und den wiederholten Einsatz von Samples. Zu all dem gehören noch Klavier und diverse Blasinstrumente. Dieser ganze Klangbrei erschließt sich zunächst nur langsam. Nebenbeihörer werden die Reise wohl bereits nach zwei bis drei Tracks mit dem Urteil „langweilig“ beenden. Nach und nach wird das Bild jedoch klarer und die Samples, Vocals und die musikalische Untermalung wirken wie Puzzleteile, die nur auf diese eine Art zusammen passen.

Am Ende des Films sind wir wieder bei der Winterlandschaft. Diesmal kennen wir den Mann, der da seine Vergangenheit hinter sich läßt. Das letzte Stück Storm mit einem leisen Pianopart erklingt. Nach einer Minute und 42 Sekunden folgt eine Pause. Der Mann und die Landschaft, die ihn umgeben hat, verschwinden und die Filmcredits rollen über die Kinoleinwand, während die Musik plötzlich wieder einschlägt. Wir bleiben in unseren Sesseln sitzen und schweigen. Gelungener Film.

Fazit: Eine spannende Expedition, die mit jedem Durchgang wächst.
[Sebastian Jegorow]

Hinterlasse einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.