Josh Ritter – The Animal Years



Auf Platten wie diese freust du dich bereits Wochen vorab. In dem Falle sogar Monate. Denn auch wenn Josh Ritters letztes Album Hello Starling nicht das erhoffte Meisterwerk war, blieben diverse angenehme Songs im Ohr hängen.

Und dann ist da noch die Erinnerung an das großartige Golden Age Of Radio, die kleine Countryperle, mit der er debütierte, und die zahlreichen Livevarianten der neuen Songs. Josh Ritter, der als Kind zweier Neurowissenschaftler nicht wirklich das Musikgen in die Wiege gelegt bekam, verfolgt auch auf seinem vierten Album seinen Weg und erinnert stark an einen modernen Johnny Cash, Townes Van Zandt oder Leonard Cohen.

Platten wie diese beginnen und Enden oftmals mit den stärksten Stücken. So auch Animal Years, bei dem Girl In The War vorangeht und in der Zielgeraden mit Thin Blue Flame ihren musikalischen Zwillingsbruder findet. Beides sind ungewöhnliche Ritter-Songs, die trotzdem über sich (und zunächst auch dem Rest des Albums) hinauswachsen. Bei Thin Blue Flame läßt Ritter seinen zurückhaltenden Lagefeuersound in ein Gewittermeer aus Licht und Aggressivität tauchen und den Hörer kurz an Politik von Coldplay denken. Ganz am Ende gibt es noch mit Here At The Right Time einen ruhigen kleinen Pianoabschluß, der den Rahmen perfekt macht. Das war´s zunächst. Immer und immer wieder.

Doch dann wird nach diversen Durchgängen klar, dass nicht nur die Waffel an der Hanuta lecker schmeckt und Platten wie diese zwischen den drei oben genannten Songs noch diverse weitere Highlights besitzen. Da ist der antreibende Galopp in Wolves und Good Man und allem voran Idaho, bei dem Ritter, bis auf seine Stimme entblößt, zur Begleitung einer gedämpften Gitarre über seine Heimat singt. In seinen Texten läßt er oftmals Nihilismus, Lebensansichten, das moderne Amerika und die eigene Liebe aufeinanderprallen. Immer wieder baut Ritter Bilderwelten auf, die mit dem Gefühl eines Roadsongs vermischt werden und irgendwo ganz plötzlich die blanke Gefühlswelt des Songwriters berühren. Da haben wir Peter und Paul, die über ihre Musik reflektieren, den verzweifelten Laurel, der seinen Mitstreiter Hardy auf den Knien um eine Waffe bittet, Gottesfürchtige, auf die Gott aus seinem kalten dunklen Raum im Himmel keinen Honig, sondern Bomben regnen läßt und dazwischen immer wieder das Mädchen, deren Champagneraugen prickeln, sprudeln und am Morgen nichts als Regen übrig lassen.

Platten wie diese mögen selten sein, doch sie bleiben lange. So sehr du dich auch dran hängst, überdauern sie deine momentane Liebe, überwintern mit dir in der Kälte auf dem Boden und strahlen in der Sonne. Keine Ahnung wo sie enden, bisher leben sie noch alle.

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