Joseph Arthur



Es ist Samstag, der 10.08.2002, der zweite Tag beim Haldern Musikfestival. Den ganzen Tag lang kann man einen großen Mann mit zerstreuten Haaren, einer Sonnenbrille und einem Rucksack durch die Backstage – Räumlichkeiten tingeln sehen. Der Mann heißt Joseph Arthur und ist an diesem Tag seinem Job als Musiker nachgegangen.

Von einem Interviewtermin zum nächsten, vom eigenen Auftritt zu weiteren Promoterminen, zwischendurch noch bei einem Song Gomez auf der Bühne begleitet, und dann zum Schluss des Tages steht der 28jährige Künstler mir gegenüber. Nach all den Strapazen mit Sicherheit müde, trotzdem unheimlich ruhig und ausgeglichen schnappt er sich eine der Zeitschriften und nimmt auf dem Sofa Platz. Auf dem Cover glänzen die zu Rockstars gestylten Silverchair. Eine Band, die er nur vom Namen her kennt wie er mir als erstes verrät und dann beginnt in der Zeitung zu blättern. Der kleine Hobbyjournalistenwinzling in mir wird nervös und bekommt die Idee, dass Arthur ihm die Arbeit nicht leicht machen könnte. Doch dies scheint er nicht vor zu haben. Er beantwortet all die wirren Fragen mit einer Geduld und Ruhe, die seine Erscheinung besonders macht.

Der Versuch, durch Fragen mehr über Joseph Arthur’s Art herauszubekommen, erscheint zwecklos. Jeder lebe in seiner eigenen Welt, sagt er. Schon mehr verrät seine Musik, die voller Kontraste zu sein scheint. Ein perfektes Beispiel ist der Song Tiny Echoes, in dem er zwischen Suizid und der Ansicht, das Leben als das größte Geschenk zu sehen, hin und her pendelt. Diese Zerstreutheit in den Texten ist für Arthur völlig normal und richtig, da, wie er mir an dem Abend sagt: „das Leben schließlich auch zwischen diesen Extremen pendelt“. Trotz aller Düsterheit findet man diverse komische Stellen in seinen Texten und ebenfalls Hinweise zum Glauben. Und so ist er dann auch, ein gläubiger Mensch, der seiner Aussage zufolge an so etwas wie einen Gott fest glaubt.


Der Grundstein für seine Karriere war die Entdeckung durch Peter Gabriel und dessen Label Real World. Die Liveshows durch die Samples zu etwas Besonderem zu machen, sei die Idee eines befreundeten Musikers gewesen und so brachte Arthur 3 Alben heraus, die zwar nur mittelmäßige Verkaufszahlen vorzuweisen haben, dafür jedoch von den Kritikern hochgelobt wurden und ihm eine beachtliche Fangemeinde schafften. Die faszinierende Tatsache, dass er in diversen Artikeln mit der vollen Bandbreite an Songwritern – angefangen bei Kurt Cobain über Nick Drake bis hin zu Beck – verglichen wird, scheint ihn genauso wenig zu interessieren, wie die Ladebalken der Pressehandies, die auf einem einige Meter von uns entfernten Tisch aufgeladen werden. Scheinbar mehr Interesse zeigt er an der Tatsache, dass er für den aufkommenden US Songwriter-Star Howie Day so etwas wie das Vorbild zu sein scheint und das eben dieser sein In The Sun einige Male live gecovert hat. Persönlich zeigt sich Arthur von der neuen Primal Scream Platte beeindruckt und hört diese im Moment am liebsten.

Die Frage nach der Zunkunft scheint ungewiss. Deutschlandtour sehr gerne und möglicherweise sogar in wenigen Monaten schon. Dann jedoch eine reine Soloclubtour, wie er es am liebsten hat. Zwischen Come To Where I´m From und dem aktuellen Release Redemption´s Song schrieb er ca. 80 Songs, und Tag für Tag wächst die Zahl an unveröffentlichten Songs und Bildern. Diese würden deshalb nicht veröffentlicht, weil die Plattenfirma es nicht zulässt, dass jeden Monat ein Album veröffentlicht wird und es scheinbar zu teuer ist. Trotz aller Dankbarkeit wird nun seine Unzufriedenheit mit der jetzigen Situation deutlich. Ein Album müsse er noch für Real World rausbringen, was danach ist, bleibt abzuwarten. Und so geht das Interview gegen 21 Uhr zu Ende und Joseph Arthur’s Arbeitstag ebenfalls.
[Sebastian Jegorow]

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