Anthony & The Johnsons – I Am A Bird Now



Das 1998 erschienene Debüt Antony & The Johnsons wurde nur von einer kleinen Gemeinde für sich entdeckt. Immerhin gehörte jedoch unter anderem die Legende Lou Reed dazu. Dieser half dem Sänger im Musikbusiness Fuß zu fassen. So findet Antony 2005 mit seinem zweiten Album endlich auch in Deutschland das verdiente Gehör.

Antonys Stimme ist, passend zu seinem Erscheinungsbild, feminin und hoch. Die Presse fokussierte sich zuletzt häufig auf das Mann/Frau-Wechselspiel des Sängers, dabei ist die Musik des New Yorkers um einiges interessanter.

Das Album wirkt wie ein leerer dunkler Raum. In der Ecke befinden sich der Sänger und das Klavier im leichten Kerzenlicht. Ja, und irgendwo wird auch noch eine Band sein, deren leise Schlagzeugbegleitung und dezente Streicher und Bläser wir zwischendurch zu hören bekommen. Antonys Stimme und das Klavier erschaffen gemeinsam eine intime Stimmung, die den Hörer höchstens an Musiker wie Fracoiz Breut, einige Songs von Smog oder die besten Werke von Keith Jarret erinnern dürfte.

Bereits mit der ersten Zeile „Hope there’s someone who’ll take care of me when I die“ präsentiert sich Antony von seiner besten Seite. Voller sänfte singt er über Schmerz und Hoffnung. Zum Schluß beginnt das Licht zu flackern, der Song steigert sich und verstummt dann wieder. Auch der Rest der Stücke auf I Am A Bird Now fällt – surprise, surprise – ruhig aus. Langweilig wird die Angelegenheit, dank der Spannungen und zahlreichen tollen Momente, trotzdem nie.
[Sebastian Jegorow]

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