Two Gallants & The Decemberists @ Gebäude 9, Köln



Was ist es, das scheinbar jeden CD-Käufer des aktuellen Albums der Decemberists an diesem Abend nach Köln zieht, um die Band live zu sehen? Vielleicht ist es der Wunsch einfach mal zu schauen, wie die Band diese seltsam schönen Songs umsetzt. Vielleicht die Sehnsucht die Stücke endlich auch mal in Gesellschaft zu hören. Oder das Urvertrauen in die musikalischen Qualitäten der Band aus Portland, Oregon.

Doch bevor die Decemberists an dem Abend im vollen Gebäude 9 ihr Theaterstück eröffnen, treten zwei Menschen auf die Bühne, die schlicht für die Stagecrew gehalten werden. Erst nach mehreren Ansagen wird klar, dass es sich dabei um den Support Two Gallants handelt. So gibt es in den folgenden 40 Minuten Memphis-Post-Folkrock aus San Francisco (oder so ähnlich) zu hören. Ein Gitarrist und Sänger, der musikalisch zwischen Countrypicking und Rockwucht pendelt, und ein Schlagzeuger, der dazu gekonnt zwischen ganz leise und ganz laut auf sein Drumkit einprügelt. Alles in Form von einigen überaus intelligent gestrickten Songs dargeboten. Da ist es auch nicht verwunderlich, dass einige Zuschauer nach dem Support bereits um eine Zugabe beten. Doch nun ist Zeit für den Hauptact.

Langsam treten die sechs Künstler, angeführt vom Zirkusdompteur Colin Meloy im weißen Anzug, auf die Bühne, besetzen so seltsame Instrumente wie Banjo, Kontrabass, Akkordeon oder Violine, und sind von dem ersten Ton des Openers The Infanta zur Stelle. Es sind die kleinen Geschichten, die neben Colin Meloys Stimme innerhalb von Sekunden an die Decemberists fesseln. Tragödien über schlichte Figuren in große Metaphern gehüllt oder vom Leidenden direkt berichtet. Und auch an diesem Abend treffen wir auf alte Bekannte wie den armen Eli, der seiner Liebe in den Tod folgt. So packen die Decemberists Highlight für Highlight alle möglichen Songs ihrer drei Alben und EPs heraus. Insbesondere We Both Go Down Together, July, July, der oben genannte Song über Eli, The Barrow Boy und The Engine Driver hauen dabei von den Socken. Die Band wirkt gut gelaunt und hat sich scheinbar, unabhängig vom Wechsel in der Besetzung, verdammt lieb.

Eine Geschichte über ein gestohlenes Fahrrad, zwei High-Five Orgien mit dem Publikum und einen zuschauerfressenden Wal später sind sie auch schon am Ende der ersten Zugabe, dem letzten Song auf dem Songlist-Pappteller zu ihren Füßen, angelangt.

Leise faded der DJ über, um die Besucher des Konzerts zum Bleiben und zum Getränkekonsum zu bewegen. Doch diese klatschen wie irre weiter und bekommen als Belohnung mit Of Angels and Angles den perfekten Abschied. Beim Verlassen folgt die kleine Ernüchterung, denn vor dem Gebäude 9 steht nur ein kühler dunkler Bus und keine bunte Zigeunerkutsche mit Pferden. Trotzdem, ein typisch besonderes Konzert einer untypisch besonderen Band.
[Sebastian Jegorow]

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